Faul und bestechlich…

„Bürger sind von dem enttäuscht, was ihnen geboten wird“. Gehört haben wir das schon oft: Kaum einer glaubt, was da in den Zeitungen und Magazinen geschrieben steht. Journalisten arbeiten schlampig. Sie sind bestechlich etc. Jedenfalls werden dei schlimmsten Vermutungen nun in einer Studie des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden bestätigt. Das behaupten jedenfalls die Verfasser. Doch lest selbst! Und bitte: mailt eure Meinung!!

Dresden (pte/19.05.2009/06:05) – Der Journalismus befindet sich in Deutschland in einer Vertrauenskrise. Lediglich 35 Prozent der deutschen Bürger sagen, dass sie Journalisten vertrauen. Damit liegt der Berufsstand weit hinter anderen Professionen zurück, sogar Meinungsforschern wird mehr Vertrauen entgegengebracht. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuell veröffentlichte Buch „Entzauberung eines Berufs – Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden“, das auf Basis einer telefonischen Repräsentativbefragung ein umfassendes Bild von der öffentlichen Wahrnehmung des Journalismus in Deutschland zeichnet. „Unsere Untersuchung zeigt, dass wir es heute nicht nur mit einer zunehmenden Politikverdrossenheit zu tun haben, sondern auch mit einer Journalismusverdrossenheit. Die Forschungsergebnisse bestätigen eindeutig eine Abnahme des öffentlichen Vertrauens in den Journalismus“, erklärt Wolfgang Donsbach, Studienleiter und Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden http://tu-dresden.de, im pressetext-Interview.

Ähnlich wie die Politikverdrossenheit sei auch die gegenwärtige Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus ein Phänomen, das die Demokratie untergrabe. „Journalisten sind die ‚vierte Gewalt‘ im Staat, die für die öffentliche Meinungs- und Willensbildung von immanenter Bedeutung ist. Die Bürger fordern zentrale Leistungen des Journalismus ein und zeigen sich in vielerlei Hinsicht von dem enttäuscht, was ihnen geboten wird“, stellt Donsbach fest. Gerade in der heutigen Internetgesellschaft seien die Menschen aber auf Journalisten als kommunikative Vermittler angewiesen. „Für eine moderne Demokratie ist diese Leistung von zentraler Bedeutung. Eine Gesellschaft, in der sie nicht in ausreichendem Maß und in der nötigen Qualität erbracht wird, ist nicht etwas, das wir haben wollen“, betont Donsbach.

Die Ursachen für die Vertrauenskrise des Journalismus in Deutschland seien vielfältig. „Der erste Aspekt, der in diesem Zusammenhang ausschlaggebend ist, ist das ethische Verhalten der Journalisten. Hier zeigt sich, dass großteils eine distanziertere und feinfühligere Berichterstattung gewünscht wird. Für die Bürger wiegen Respekt und Pietät schwerer als das öffentliche Interesse“, erläutert der Studienleiter. So würden sich etwa acht von zehn Bürger dagegen aussprechen, in den Medien zivile Kriegsopfer abzubilden. Ein weiterer Faktor beziehe sich auf den enormen Einfluss, den Journalisten in vielen Bereichen des Lebens ausüben. „Für mehr als die Hälfte der Befragten sind Journalisten mächtiger als Politiker. Und fast alle finden das nicht gut“, merkt Donsbach an.

Auch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Branche sei ein Problem. „Die deutliche Mehrheit der Deutschen hält Journalisten für käuflich. Rund zwei Drittel glauben, dass bezahlte Recherchen häufig vorkommen oder, dass die Interessen von Anzeigenkunden auch in der redaktionellen Berichterstattung berücksichtigt werden“, ergänzt Donsbach. Weiters sei die zunehmend um sich greifende Boulevardvisierung der Nachrichtenberichterstattung als wesentlicher Faktor zu nennen. Laut Donsbach wünscht sich die übergroße Mehrheit eine sachlichere Berichterstattung, die sich stärker an Fakten orientiert und Ereignisse und Entwicklungen ausführlich und objektiv darstellt. „Eine weitere Ursache für die Vertrauenskrise ist zudem der Umstand, dass es der Bevölkerung mittlerweile an einer klaren Vorstellung fehlt, was Journalismus ist und was nicht. Dieses Problem betrifft vor allem die Unterscheidung zwischen Journalismus und PR und wird durch das Internet noch verschärft“, meint der Studienleiter.

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