Wissenschaft – nur ein Geist bei den EU-Wahlen

Die Europawahlen waren erst vor einer Woche, doch haben wir nicht alle das Gefühl, dass sie nie stattgefunden haben, so unbedeutend kommen sie uns vor? Natürlich ist das Gegenteil der Fall, in Brüssel fallen immer mehr politische Entscheidungen, die auch uns in Deutschland betreffen und besonders die Wissenschaft. Nur kriegen wir Bürger das nicht mit, und auch im Wahlkampf war von Wissenschaft keine Rede. Das hat unlängst der britische „Guardian“ in seinem Science Blog aufgespießt.

„Wissenschaft ist das Herz unserer modernen Welt“, schreibt er, „und sie verdient es, auch das Herz der politischen Diskussion zu sein“. Doch die politischen Kandidaten seien an den Themen nicht interessiert. Weder die Konservativen noch Labour haben sich damit in ihren Schriften zu den EU-Wahlen auseinandergesetzt, abgesehen von den allfälligen Allgemeinplätzen wie „Wissensgesellschaft“ und „Umweltschutz“, die immer wieder auftauchen. Die Meinung der Parteien zur Nanotechnologie, Stammzellenforschung, genetisch veränderten Nahrungsmitteln, Atomforschung und Weltraumflug bleibt unklar, „obwohl der Europäische Forschungsrat dafür Milliarden Euro ausgibt“.

Aus deutscher Sicht sieht das nicht viel anders aus, Wissenschaft führte nur eine geisterhafte Existenz in den Programmen der Parteien, die sich um die Gunst der Wähler bemühten. Das müssen wir ändern, schon jetzt bei den Bundestagswahlen im Herbst, damit hier nicht ein neues Fiasko ins Haus steht. Deshalb befragt die TELI Wissenschaftler nach ihrer Meinung über die Forschungspolitik. Die Ergebnisse sollen den politischen Kandidaten vorgelegt werden und eine Debatte entzünden. Ist das erfolgreich, lässt sich das bei Wahlen in anderen Ländern Europas wiederholen. Bei den nächsten EU-Wahlen schließlich könnten wir dann, bereichert um vielfältige Erfahrungen und auf breiter Basis, das Blatt wenden.

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