Gemüseanbau auf Flachdächern – Chance oder Gefahr?

Städte haben ungeahnte Agrarlandreserven: Flachdächer lassen sich in Gemüsegärten verwandeln! Sie könnten einen Großteil des Bedarfs einer Großstadt an Salaten, Tomaten, Gurken abdecken – und CO2-Emissionen binden.

Oder saugen sie
die Schadstoffe aus dem Straßenverkehr auf? Ist die Umwandlung eines Daches in eine Gemüselandschaft baurechtlich überhaupt möglich? Was können wir bei dieser neuen Agrar(re)form vom Ausland lernen? Kann sie die weltweite Ernährungssituation verbessern? Kann Deutschland es sich leisten, dieses Thema so stiefmütterlich zu behandeln?

Eine Veranstaltung der TELI Süd in Kooperation mit dem Münchner Klimaherbst 2012 suchte Antworten auf diese kontroversen Fragen. Drei Experten referierten, dann hatte das Publikum das Wort. Es füllte den Münchner Presseclub am Marienplatz bis auf den letzten Stuhl und sorgte für einen spannenden Abend.

Volkmar Keuter, Projektleiter am Fraunhofer-Institut f. Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen, gab einen Überblick über die verschiedenen Modelle des „Urban Farming“ und deren Realisierung rund um die Welt, vom Guerilla Gardening (Anlage von Gärten auf öffentlichen Plätzen) bis zum Sky Farming (Landwirtschaft in Hochhäusern mit Vieh- und Fischzucht sowie sämtlichen Formen des Ackerbaus und Gemüseanbau). Ein weiterer Aspekt: In Ostdeutschland schrumpfen die Städte statt zu wachsen. Unter der Regie des traditionsreichen Bauhauses werden die freiwerdenden Flächen in Gemeindegärten umgewandelt, nicht anders als in US-Großstädten wie Detroit oder Chicago.

Rooftop Gardening ist also ein Spezialfall von Urban Farming. Es wird in Oberhausen erforscht und für deutsche Verhältnisse adaptiert. Den Einwand einiger Teilnehmer, dass diese Art von Großforschung wenig nachhaltig sei, auch im Sinne des lokalen Ansatzes des Münchner Klimaherbstes, entkräftete der Referent mit dem Hinweis: Die Regionalität der Produkte sei vielen Verbrauchern mittlerweile wichtiger als deren ökologische Herstellung sowie Fairtrade-Aspekte; deshalb habe sich die Fraunhofer Gesellschaft diesem Thema auch verschrieben.

Die Umsetzung, das machte der auf Immobilien spezialisierte Jurist Markus Groll deutlich, ist in Deutschland komplex, womöglich eher entmutigend, für sowohl Mieter als auch Eigentümer. Gerade auch deshalb rief der Gartenplaner Jürgen Schubert zu einem „Blick über den Tellerrand“ auf. Im Vergleich zur Vielfalt der Nutzung von Dachflächen, in Europa und in der ganzen Welt, sei Deutschland ein „Entwicklungsland“, bedauerte der Gartenplaner – das obwohl Dachflächen ohne Ende zur Verfügung stehen. Die Begrünung, horizontal wie auch vertikal, sollte gesetzlich vorgeschrieben werden, empfahl der Referent, zur Verbesserung der Luft in den Städten sowie deren Versiegelung entgegenzuwirken.

Außer in Manhattan, Tokio, Rotterdam werden Dachflächen auch im peruanischen Lima genutzt, wo sie bei der Grundversorgung der ärmeren Bevölkerungsteile mit vitaminreichen Pflanzen dienen, wusste Ulrike Wagner, Mitorganisatorin des Klimaherbsts und Leiterin des Ökologischen Bildungszentrums ÖBZ. Die Veranstaltung brachte viel Pro und Contra ans Licht, dazwischen aber auch viel Information, die bisher überall gefehlt hatte. Das stellte Winfried Eckardt heraus, Leiter der Münchner Volkshochschule im Stadtbereich Ost und ebenfalls Mitorganisator des Münchner Klimaherbstes.

Auch Studenten waren anwesend auf der Suche nach Fakten für ihre Abschlussarbeiten, die sie sonst nirgendwo finden. Die Antwort auf eine Frage blieb aber offen: Ist Gemüse von städtischen Flachdächern möglicherweise nicht zu sehr mit Schadstoffen belastet? Das, so Keuter, werden die Versuche und Tests in Oberhausen beantworten helfen. Doch das Thema hat insgesamt viel Zukunft, so ein Resümé des Abends, weil Dachgärten nicht zuletzt Kommunikationszentren in den anonymer werdenden Städten schaffen.

Weitere Infos u. Quellen
Schrebergärten in der dritten Dimension
Gemüsegärten auf dem Flachdach
Der Münchner Klimaherbst, Programm, Rückblick auf die letzten Jahre

Volkmar Keuter, Projektleiter am Fraunhofer-Institut f. Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT//Oberhausen stellte sein Gemüsegarten-Flachdach-Labor vor. Hier sein ausführliches Fazit:

MOTIVATION

Gebäudeintegrierte Landwirtschaft verfolgt das Ziel, Segmente der Agrarwirtschaft wie den Gemüse- oder Obstanbau im urbanen Raum zu realisieren. Die Idee, gebäudeintegrierte Landwirtschaft zu betreiben – sei es als kompletter Gebäudeneubau, an Fassaden oder auf bereits vorhandenen Dächern – speist sich aus dem abzusehenden Flächen- und Ressourcenmangel an ländlicher Anbaufläche durch das weltweite Bevölkerungswachstum.

Die Ernährung von Menschen bei wachsender Weltbevölkerung und einem immer höheren Qualitäts- und Erwartungsniveau ist ohne eine extrem effiziente und hoch produktive Landwirtschaft nicht denkbar. Qualitativ hochwertige Ernährung durch Nahrungsmittel mit hoher Nährstoffdichte, unter Einschluss von Fleisch- und Milchprodukten sowie hoch veredelten Lebensmitteln, erfordert ein Mehrfaches an Biomasseinput als rein pflanzliche Ernährung. Hinzu kommen große Energie- und Ressourceninputs in den Bereichen Dünger, Mechanisierung, Kühlung, Transport etc.

Aus heutiger Sicht ist kein tragfähiger Weg zu sehen, um potentiell 10 Milliarden Menschen auf den Ernährungsstand zu bringen, auf dem sich heute die reiche Welt, und damit ca. 1,5 Milliarden Menschen, befindet (UN, 2009). Auch eine Reduzierung des Fleischkonsums kann diese Entwicklung und damit verbundene Problematiken nur zeitlich hinauszögern und trifft auf Akzeptanz- und Umsetzungsprobleme in der Praxis. Die beschriebene Problematik verschärft sich beim Blick auf die zur Verfügung stehenden Böden und deren Qualität. Sollte es gelingen, 10 Milliarden Menschen auf ein hohes Wohlstandsniveau zu bringen, wird dies mit gigantischem Flächenverbrauch verbunden sein.

Bedarf besteht neben den notwendigen Biomasseanbauflächen auch für Wohnbebauung, öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur aller Art. Angesichts der Tatsache, dass die Siedlungsschwerpunkte der Menschen eher in fruchtbaren Flusstälern als in Wüsten und Bergregionen liegen, werden es gerade die landwirtschaftlich gut nutzbaren Flächen sein, die verloren gehen.

ANWENDUNGEN

Die herkömmliche konventionelle Landwirtschaft ist ressourcenintensiv, neben der benötigten Fläche werden weltweit rund 70 Prozent des verfügbaren Trinkwassers verbraucht. Darüber hinaus trägt der Energieverbrauch in der Landwirtschaft mit etwa 14 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei.

In Deutschland gibt es rund 1 200 Millionen Quadratmeter an Flachdächern von Nicht- Wohngebäuden (Quaschning, 2000). Rund 360 Millionen Quadratmeter können davon für den Anbau von Pflanzen in Gewächshäusern genutzt und so rund 28 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zusätzlich gebunden werden. Von den 11,2 Millionen Hektar Ackerfläche in Deutschland werden rund 120 000 Hektar (DESTATIS, 2008) für den Gemüseanbau verwendet. Dies entspricht einer Produktion von 3,5 Millionen Tonnen Gemüse. In Deutschland sind laut Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Umweltbundesamtes bereits 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche versiegelt. Täglich kommen etwa 110 Hektar dazu.

Vertikale Landwirtschaft könnte den Anbau von Kulturpflanzen zum Bestandteil städtischen Lebens machen und damit den Energieverbrauch, die Kohlendioxidemissionen und den Ressourcenverbrauch bei der Lebensmittelerzeugung senken. Frischere Produkte können direkt in der Nähe des Verbrauchers erzeugt und zum Verkauf gebracht werden. Darüber hinaus wird das städtische Bild positiv bereichert.

Daher ist es das Gesamtziel von inFARMING®, vorhandene Technologien zu Gewächshäusern mit neuen Konzepten, innovativer Prozesstechnik und Materialforschung zu verbinden. So kann den spezifischen Anforderungen gebäudeintegrierter Landwirtschaft begegnet werden und sie können technisch, ökonomisch und ökologisch vorteilhaft entwickelt und letztendlich auch realisiert werden.

Die für gebäudeintegrierte Landwirtschaft erforderlichen Instrumente und Werkzeuge sind zwar teilweise z. B. aus dem Gewächshausanbau bekannt und verfügbar, doch müssen sie weiterentwickelt, vernetzt und in örtlich angepasster Weise eingesetzt werden. Gerade Projekte im Gebäudebestand erfordern neue Technologien und Materialien, die beispielsweise leichter oder funktional sind. Dabei kann auf eine größere Anzahl von Einzelerfahrungen zahlreicher Disziplinen zurückgegriffen werden, die in den entsprechenden Entwicklungsfeldern optimiert und angepasst werden.

TRENDS

Die Idee, Dächer als Fläche für Landwirtschaft zu nutzen ist nicht neu. Seit jeher bepflanzen Menschen Dächer. Besonderes in den Städten ist diese Art der Nahrungsmittelgewinnung schon lange verbreitet. Es war und ist gerade für Menschen mit geringem Einkommen eine kostengünstige Alternative zum Supermarkt. Die ersten Rooftop-Farmen stammen daher aus Privathaushalten.

Die Idee, das Prinzip kommerziell und im großen Stil zu nutzen, kam erst mit dem Nachhaltigkeitsgedanken und dem Problem der Entwicklung von Mega Cities auf. Besonders in New York, wo freistehende Flachdachflächen in großer Anzahl zur Verfügung stehen, wird dieser Trend umgesetzt. Nirgends finden sich so viele unterschiedliche Arten des Rooftop-Farmings wie in New York. Am weitesten verbreitet ist die Nutzung ohne Gewächshaus.

AUSBLICK

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg ist eine europaweit einzigartige Innovationswerkstatt anwendungsorientierter und marktnaher Forschung für intelligente Raum- und Gebäudesysteme. Das inHaus-Zentrum bündelt die Potenziale von mehreren Fraunhofer-Instituten und ca. 100 Wirtschaftspartnern auf mehr als 5200 m² bei der gemeinsamen Entwicklung, Erprobung und Umsetzung innovativer Technologie-, Produkt- und Systemlösungen für Wohn- und Nutzimmobilien.

Auf der Dachfläche des inHaus-Zentrums soll ein inFARMING®-Anwendungslabor mit einer Fläche von etwa 300 m² eingerichtet und betrieben werden, um in den Themenbereichen Sensorik/Steuerung, Licht, Abwärmenutzung, Integrierte Energieversorgung, Wasserversorgung und –kreisläufe, Leichtbau, Autonom funktionale Werkstoffe, Thermische Masse, Brandschutz, Optimierung der Nutzfläche, Erhöhung des Pflanzenertrags, Ernte-Unterstützung, Substrat- und Nährstoffversorgung anwendungsnahe Entwicklungen für eine weite Verbreitung dieses Konzeptes zu generieren.

Kontakt
Dipl.-Ing. Volkmar Keuter,
Projektleiter
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Oberhausen
volkmar.keuter@umsicht.fraunhofer.de

Das Projekt wird auch in einem jüngst erschienenen Buch der Fraunhofer Gesellschaft beschrieben: „Morgenwelt“ – Vorstellung u. Besprechung hier

Markus Groll, LL.M. (Real Estate), Anwalt für Immobilienrecht und Berater des Bauzentrums München, referierte über Rechtsfragen bei der Realisierung von Flachdach-Gemüsegärten.

Der Jurist erläuterte rechtliche Aspekte des Gemüseanbaus auf Flachdächern. Im Bereich des öffentlichen Rechts sprach er die Genehmigungspflicht und dabei die Auswirkung von Festsetzungen in Bebauungsplänen an. Er zeigte auch die Möglichkeit auf, sich von diesen Festsetzungen befreien zu lassen. Daneben wies er auf die Einhaltung von Abstandsflächen sowie auf Besonderheiten des Denkmalschutzes hin.

Im Bereich des Zivilrechts behandelte er zunächst das Nachbarrecht. Danach dürfen Pflanzen mit bestimmter Höhe nur mit bestimmten Abstand zum Nachbargrundstück gepflanzt werden. Im Bereich des Mietrechts ging der Referent darauf ein, inwieweit die Errichtung eines Dachgartens vom Mietvertrag umfasst ist und inwieweit ein Dachgarten sich bei der Berechnung der Wohnfläche auswirkt.

Im Bereich des Wohnungseigentumsrechts zeigte Groll auf, was rechtlich beachtet werden muss, um bislang ungenutzte Dachflächen in Dachgärten umzuwandeln. Dabei ging er auf die Fallkonstellationen ein, dass die Dachfläche völlig unbenutzt und im Gemeinschaftseigentum steht, die Dachfläche nach Entstehung der Wohnungseigentumsgemeinschaft neu entsteht, einem Miteigentümer ein Ausbaurecht an einer Dachfläche eingeräumt worden war oder ein Miteigentümer bereits eine Dachterrasse hat, die er umnutzen möchte. Dazu ist grundsätzlich ein breiter Konsens der Miteigentümer nötig, des weiteren eine Abänderung der Teilungserklärung sowie der Eintrag ins Grundbuch.

Der Rechtsexperte kam zu dem Schluss, dass die Errichtung von Dachgärten auch in rechtlicher Hinsicht ein komplexes Vorhaben ist und einer fachlichen Rechtsbegleitung bedarf – die gute Nachricht: Neuer Gesetze bedarf es nicht, die herrschende Gesetzeslage ermöglicht die Realisierung.

Kontakt
Markus Groll, LL.M. (Real Estate) Rechtsanwalt

Jürgen Schubert, Dipl. Ing. (FH), Garten- und Grünplaner, Münchner VHS am Ökologischen Bildungszentrum ÖBZ, präsentierte Praxis-Erfahrungen mit Gemüseanbau auf Flachdächern in Deutschland unter dem Titel „Nachhaltige Bauwerksbegrünung“

Nachhaltigkeit im Neu- oder Umbau von Gebäuden erschöpft sich nicht beim Thema Energie- und Ressourcenverbrauch, sondern beinhaltet auch die Einbindung der Pflanzenwelt und zwar in Form von Dach- und Fassadenbegrünung.

In diesem Zusammenhang ist die intensive Begrünung und somit intensive Nutzung von (Flach-)Dachflächen herauszuheben, weil sie nicht nur viele Vorteile beinhaltet, sondern technisch auch als ausgereift gelten kann.

Eine Gestaltungsvariante ist dabei die Anlage von Anbauflächen auf dem Dach für erwerbsmäßigen Gartenbau in Anlehnung an den klassischen erdgebundenen Anbau. Diese Variante, auch in den Kontext gestellt mit „rooftop farming“, ist bis dato in Deutschland aber noch kein einziges Mal realisiert!

Dabei könnte auch diese Form des (Gemüse-)Gartenbaus einen nennenswerten Beitrag zur Nah- und Regionalversorgung von urbanen Zentren liefern. Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten insbesondere auch im Bereich Transport ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die „kleinere“ Variante, sozusagen das „rooftop gardening“ wäre die Anlage von Nutzgärten auf Dächern in Anlehnung an erdgebundene Schreber- und Bauerngärten, zur privaten Nutzung sowohl für Eigenheime als auch Mietwohnungsbauten.

Die intensive Dachbegrünung bietet alle gestalterischen Variationen für Gartenanlagen wie wir sie auch erdgebunden kennen. Insofern können natürlich auch Ziergärten oder kleine Parkanlagen bspw. auf öffentlichen oder Hotel- oder Bürogebäuden entstehen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit bringt die intensive Grünnutzung von (Flach-)Dachflächen somit viele Vorteile:

Ein nennenswerter Beitrag zur Nah- und Regionalversorgung mit gesunden Lebensmitteln kann geleistet werden

In diesem Zusammenhang werden Transport- und somit Energiekosten gespart, was auch positiven Einfluß auf die CO2-Bilanz hat

Mit ihren Formen, Farben und Düften sind Gärten und Parks auf dem Dach Orte hoher Aufenthaltsqualität

Sie schaffen Lebensraum für die heimische Tierwelt, insbesondere Vögel und Insekten

Sie beinhalten eine beachtenswerte soziale Komponente, denn sie sind Orte der persönlichen Begegnung, des Austauschs, der Kommunikation

Grünflächen auf dem Dach stellen einen wertvollen Ausgleich dar für durch den Bau des Gebäudes entstandenen Freiflächenverlust

Schlussendlich leisten sie einen deutlichen Beitrag zur Klimaverbesserung und somit erhöhten Lebens- und Aufenthaltsqualität in urbanen Räumen

Kontakt
Dipl.-Ing. Jürgen Schubert
Gartenplanung u. Beratung
HERBAMADRE
info@herbamadre.de

Siehe auch Artikel bei der TELI Regionalkreis Süd

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7 Gedanken zu “Gemüseanbau auf Flachdächern – Chance oder Gefahr?

  1. … danke, Werner Quickert, für diesen konstruktiven Vorschlag. Das ist ein Defizit des Münchner Klimaherbstes: Viele der tollen Anregungen versanden. Eigentlich müssten wir, im Sinne der TELI-Wissenschafts-Debatte, eine Folgeveranstaltung haben: das Thema Dachbegrünung Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung präsentieren und auf gesetzliche oder administrative Konsequenzen drängen. Kriegen wir ein solches Forum zusammen?

  2. … danke, Werner Quickert, für diesen konstruktiven Vorschlag. Das ist ein Defizit des Münchner Klimaherbstes: Viele der tollen Anregungen versanden. Eigentlich müssten wir, im Sinne der TELI-Wissenschafts-Debatte, eine Folgeveranstaltung haben: das Thema Dachbegrünung Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung präsentieren und auf gesetzliche oder administrative Konsequenzen drängen. Kriegen wir ein solches Forum zusammen?

  3. Hallo zusammen,
    dir Wolfgang C. Goede besten Dank für die Organisation dieses Events. Ich war sehr aufmerksam dort und ich habe mich gefreut, dass das Thema so viele Leute interessiert hat.

    Wir haben inzwischen fast alle Flächen in den Städten versiegelt, schlechtestes Beispiel hier: Curt-Metzger-Platz in Milbertshofen, wo man wohl 2007 „architektonisch“ alle Fehler gemacht hat, die man machen konnte und die vielen schönen alten Bäume durch Beton-Pflasterplatten ersetzt hat. Damit erscheint es dringend nötig, „grüne Ausgleichsflächen“ zu schaffen. Die „Begrünung“ von Dächern erscheint mir ein probates Mittel zu sein, das ohne grossen Aufwand realisiert werden könnte. Das ist leider den meisten Leuten so nicht bekannt. Um dann „urban / rooftop gardening“ durchführen zu können, sind wohl häufig die (statischen) Voraussetungen bei „Bestandsbauten“ nicht vorhanden.

    Umso mehr würde ich darauf drängen, dass bei Flachdach-Neubauten die versiegelte Fläche durch eine z.B. 50%-ige Ersatzbegrünung auf den Dächern (gerade auch bei Garagenbauten) kompensiert wird, denn für Energiemassnahmen sind ja schließlich auch Auflagen gemacht worden, und das, obwohl davon nicht alles zielführend erscheint.

    Also da muss sich an der Einstellung – vor allem der Baubehörden – etwas grundlegend ändern. Aber auch die „Grünen“ machen ja leider nicht ihrem Namen alle Ehre, sodass wir keine politische Unterstützung haben, um so etwas umzusetzen.

    Allen Lesern wünsche ich viel Grün in der Stadt

    Werner W. Quickert, Olympiadorf München

  4. … danke, Dietmar Schmidt, aus dem Münchner Olympiadorf. Die Statik ist in der Tat eine wichtige Frage. Selbst konventionelle Bauten, etwa in Manhattan, aber auch Lima, scheinen damit keine Probleme zu haben. In Deutschland ist man mit Lastenstress pingeliger. Deshalb experimentiert Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen mit leichten Tongranulaten, wie wir sie aus Hydrokulturen kennen. Sie nehmen der Gemüsekultur die Schwere.

  5. Den Rübenacker oder das Kornfeld auf dem Dach wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben, denn schwere Maschinen, wie sie heute in der Landwirtschaft üblich sind, lassen sich dort nicht einsetzen. Für Hobbygärtnerei und auch für Erwerbsgärtnerei ist die Nutzung von Dächern aber eine interessante Zukunftsperspektive. Ob und wieweit die Obst- und Gemüseernte von Gärten auf den Dächern aber maßgeblich zur Versorgung der Bevölkerung in Ballungszenten beitragen kann, daran habe ich erhebliche Zweifel. Bei Neubauten kann man natürlich die Statik so auslegen, dass das Dach die Last von nasser Erde, den Pflanzen und wo es schneit, auch von viel Schnee aushalten kann. Bei schon existierenden Gebäuden dürfte das, füchte ich, nur selten möglich sein. Wir haben in den vergangen Jahren ja erlebt, dass allein die Schneelast Dächer zum Einsturz bringen kann.

  6. … vielen Dank, Magister Julian Fellner aus Österreich, für diese wissenswerte Ergänzung. Der Pflanzen-Mix macht’s: Nicht nur die Fauna, auch die Flora lebt SYMBIOTISCH-ARBREITSTEILIG und ergänzt sich, wie wir von vielen Beispielen wissen. Warum tut man sich in Deutschland bloß so schwer damit? Lässt ein Hightech-Land Naturkenntnisse verarmen? Wo wäre zwischen Flensburg und Garmisch ein öffentliches Pilotprojekt für Dachgemüsegärten möglich? Im Münchner Olympiadorf? Es hat ausgedehnte Flachdächer und ist seit vier Jahrzehnten Inbegriff avantgardistischer Stadtkultur!

  7. Aus unterschiedlichen Standpunkten macht der Gemueseanbau auf Flachdaechern Sinn. Zum einen Verringern wir den CO2 Ausstoss durch weniger Transportkilometer (national, aber auch international: ein Apfel aus Chile hat 10 mal so viel g/CO2 Ausstoss pro kg) und eine geringere Kuehlkette, wenn wir die Nahrungsmittelproduktion regionalisieren. Wenn wir unsere Nahrungsmittel in der unmittelbaren Umgebung anpflanzen, wo wir sie auch konsumieren, verringern wir nicht nur CO2 Abgase, sondern tragen auch einen wichtigen Teil zur Ernaehrungssicherheit bei.
    Die gesundheitlichen Risiken durch die erhoehten Schadstoffwerte sind ein berechtigter Einwand, der wissenschaftliche Untersuchungen verlangt. Meiner Meinung nach ist dieses Problem durch die Beipflanzung von stark CO2-bindenden Pflanzen durchwegs in den Griff zu bekommen. Leguminose Pflanzen wie beispielsweise Klee koennten hier einen massgeblichen Beitrag leisten. Diese Pflanzen haben einen weiteren entscheidenden Vorteil: die gebundenen Stoffe sind zugleich lebenswichtige Naehrstoffe fuer die Pflanzen.
    Permakultur bietet viele interessante und effektive Moeglichkeiten, um urbane Gebiete wiederzubeleben und regionale Strukturen zu foerden – also auch entscheidende lokalwirtschaftliche Verbesserungen in Krisenzeiten wie diesen zu ermoeglichen.

    Mag. Julian Fellner
    Sozialwirt (Spezialisierung auf Ernaehrung und Permakultur)

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