Der Oma-Effekt – wieviel ist er uns wert?

by Wolfgang Goede | 26. November 2012 06:05

Großmütter sind kostbare Multi-Talente. Können wir es uns leisten, sie ins Abseits zu stellen?

Schimpansenfrauen sterben bald nach Einsetzen der Menopause. Menschenfrauen früher auch – bis sie sich um die Enkel zu kümmern begannen. Das erzeugte den „Oma-Effekt“. Die Großmütter wurden erheblich älter, und die Lebenserwartung der Menschheit nahm zu, sagt die Biologin Kristen Hawkes von der Utah Universität. Das hatte einen weiteren positiven Effekt zufolge. Kinder, die mit Großmüttern aufwachsen, fühlen sich mehr geliebt und sind emotional stabiler. Sie sind glücklicher und gesünder, mit einer höheren Lebenserwartung.

90-jährige Rosa: Die große Enkelschar hält sie jung und fit (c) R. Isaza

Während in nordeuropäischen Ländern Großmütter bei der Erziehung von Kindern immer weniger in Erscheinung treten, haben sie in Lateinamerika in den Familien einen festen Platz. Das sorgt für einen doppelten Oma-Effekt:

Die Kinder wachsen behütet auf in einer Zeit, in der auch vom Rio Grande bis Feuerland immer mehr Frauen und Mütter Vollzeitbeschäftigungen und Karriereberufen nachgehen. Die Großmütter selber fühlen sich gebraucht und eingebettet, bleiben im Umgang mit dem Nachwuchs körperlich, geistig und seelisch fit. Die Geißel der modernen Zivilisation, Depressionen in ihren vielen Variationen, ist im Südteil des amerikanischen Kontinents immer noch eine Seltenheit.

Club der 80-Jährigen: Freundinnen Ruth, Aida, Olga, Beatriz. Der doppelte Oma-Effekt macht sie heiter und gelassen (c) W. Goede

Das alles hält jung und dynamisch. Viele Frauen zwischen 80 und 90 sind erstaunlich gesund und leistungsfähig, etwa die Kolumbianerin Rosa Parada de Mondragon aus Medellín. Sie hat elf Kinder, acht Enkelkinder, zwei Großenkel. Bei ihrem 90. Geburtstag im Mai (Foto ganz oben) hinterließ sie auf das lange Gratulanten-Spalier den Eindruck einer Frau Ende 60.

Dies wirft Fragen auf, wie wir in Deutschland und Europa mit älteren Frauen umgehen. Müssen sie nicht mehr integriert werden in die Gesellschaft und Familien? Reicht es, wenn sie gelegentlich als Leih-Omas und Vorleserinnen in Erscheinung treten? Sollte das Ehrenamt nicht viel mehr auf Großmütter mit ihren vielen Talenten zugeschnitten werden, die Sozialversicherungen oder Kommunen ihnen einen Bonus anbieten?

Was denken Sie darüber? Posten Sie Ihren Kommentar als einen wichtigen Beitrag zur Zukunft des Alters und der gesellschaftlichen Debatte darüber!

Source URL: http://www.wissenschaftsdebatte.de/?p=2066