3. Runde der W-Debatte: „Ausbildung der Forscher beginnt im Kindergarten!“

„Interessant, aber ich verstehe das Ganze nicht“, sagte mir Kollege W. über die TELI-Wissenschaftsdebatte. Gut, brechen wir sie auf das Grundsätzliche herunter, so wie die „Die Sendung mit der Maus“ dies täte.

Ein Mäuserich zerbricht sich den Kopf, wie er und die Seinen besser an den Käse im Kühlschrank von Oma Hansen herankämen. Er macht Versuche, entschüsselt den Schließmechanismus der Tür, entwickelt eine Methode, den Deckel der Tupperdose anzuheben, in der das begehrte Milchgerinnungsprodukt lagert – da grätscht auf einmal der Obermäuserich ihm in die Seite. Er will, dass es in dem Mauseforschungslabor redlich zugeht, die gesamte Mausefamilie an den Erfolgen teil hat und er als Chef das letzte Wort hat.

So möchte er, dass der Schaden sich für Oma in Grenzen hält und dass die Käsebeschaffungstechnologie so perfektioniert wird, dass sie sich an andere Mauseclans verkaufen lässt; er besteht auch darauf, dass die Risiken der Forschung minimiert und die beiden Hauskatzen Carla und Carlo in den entscheidenden Testphasen sediert werden. Schlussendlich will der Mäuse-Capo sogar aus der gemeinsamen Vermögensschatulle etwas stiften, um ein anderes, überlebenswichtiges Projekt voranzubringen: Wie die Welt der Mäuse der Welt der Menschen beweisen könne, dass sie als Labor- und Versuchstiere denkbar ungeeignet seien.

So weit, so gut: Obermuftis sind vom Prinzip nicht schlecht, können sich als umsichtige Lenker und Mäzenaten erweisen, doch so einfach sei das alles nicht, begehrt unser Forscher-Mäuserich auf. Auf der nächsten Mäuseversammlung, bei der die Obermaus wiedergewählt werden will, befragt er diese nach den Details ihrer Pläne: Müsste dann nicht gleich am nächsten Samstag, wenn Carla und Carlo zusammen Liebesfilme schauten und Oma im Konzert sitze, der große Testlauf erfolgen, sollte für die anderen Mäuse Communities die Technologie nicht auch auf Speck ausgeweitet werden, wieviel Mittel ließen sich für die Abwehr des Mäuse-Holocaust aufbringen?

Das macht auch die anderen Mäuse neugierig, eine lebhafte Debatte entspinnt sich, bei der der Anführer Rede und Antwort stehen und sich breit schlagen lassen muss, die Vorschläge seiner Mitmäuse in seine Strategie einzubauen – das alles steckt hinter der TELI-Wissenschaftsdebatte / Science Debate Germany 2009, über die Shawn Otto, Begründer der US-Science Debate 2008, auf der TELI Homepage schreibt:

„Die nächsten großen Herausforderungen Deutschlands und der Welt drehen sich um Wissenschaft und Technologie. Den Verstand verbiegende (‚mind bending‘) Fragen tauchen auf rund um Geo-Engineering, Gen-Technik, synthetisches Leben, Neurowissenschaften und Nano-Technologie.“ Shawn zitiert Thomas Jefferson mit dem Auspruch: „Immer wenn die Bürger gut informiert sind, darf man Vertrauen in ihre eigene Regierung haben“ und fährt fort: In dieser Zeit „sind die Menschen, denen die Regierung anvertraut werden soll, zur Diskussion dieser Themen verpflichtet“. Und: „Die TELI Science Debate 2009 ist … kritisch für die Zukunft Deutschlands. Die Kandidaten sollten sie sehr ernst nehmen.“

So etwa die Rückläufe auf den Fragebogen, die letzte Woche eingegangen sind: eindeutige Front gegen Freilandversuche mit genmanipulierten Nahrungsmitteln; eine vorsichtige Öffnung gegenüber der Atomkraft; mehr Geld für die Forschung, inbesondere Arbeitsplätze für Nachwuchswissenschaftler, aber auch für Kindergärten, „wo die Ausbildung der nächsten Forschergeneration beginnt“; Verbesserung der Vermittlungskompetenz von Forschern, die bei der „Bewilligung von Anträgen auch vor Laien Rede und Antwort stehen“ müssten; der wissenschaftliche Mitarbeiter einer bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtung regt an: dialogisch-partizipative Formate unter Einbeziehung von NGOs, weniger Spiegelung von PR-Material in Presseberichten und: „Woher wissen wir, dass CO2 signifikant zur globalen Erwärmung beiträgt? Wir sollten erstmal sehen, wie dramatisch der Klimawandel ist und uns entsprechend anpassen.“

Letztlich wurde die TELI-Aktion vom besten Sprachbloggeur Deutschlands aufgegriffen, der Wissenschaft aus deutsch-US-amerikanischer Perspektive ableitet und der TELI-W-Debatte ein Motto schenkt: „Streitsucht ist eine Wissenschaft, die mit Streit sucht, was Wissen schafft.“

Machen Sie mit bei der TELI-W-Debatte!

[ Artikel drucken ]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.