Die TELI-Osterbotschaft: Journalismus first!

Per Zeigefinger browse ich gerade „Wozu noch Zeitungen?“, die als Buch (Vandenhoeck & Ruprecht) herausgegebene Serie der „Süddeutschen“ über die Print-Zukunft. Auf den ersten zehn Seiten findet sich eine hervorragende Zusammenfassung der ganzen Problematik, verfasst vom Autoren-Trio Stephan Weichert, Leif Kramp, Hans-Jürgen Jakobs (CR sueddeutsche.de). Das Printgewerbe befindet sich in den USA im freien Fall, was dieses Krisenjahr in Deutschland anrichten wird, ist derzeit noch ungewiss, doch die Medienunternehmen machen sich auf Schlimmstes gefasst. Tickt auch bei uns bereits die „Todesuhr“?

An den digitalen Windmühlen kommt keiner mehr vorbei, wie auch der neu eingerichtete TELI-Blog beweist – alle Verlage, Journalisten und Berufsvereinigungen sind gut beraten, zweigleisig zu fahren und verschärft in Online-Kompetenzen zu investieren, aber: Egal ob Online oder Print, „Journalismus first“ heißt die Marschroute oder O-Ton Autorenteam: „Journalisten müssen, gerade wenn sie ihre crossmedialen Fühler ausfahren und Kollaborationsmodelle mit Nutzern eingehen, mehr denn je auf peinliche Trennung von Journalismus, PR und Lobbying achten.“ Dies müsse „die Kernkompetenz von Journalisten“ bleiben – dieser Maxime schließt sich die TELI gerne an!

Wer bei Print bleiben möchte, sollte kompromisslos auf den Qualitätsjournalismus setzen, empfehlen die Buchautoren weiter. Reportagen und Erzählstücke, Kommentare und Analysen gehörten weiterhin in die Zeitung, „dafür braucht es allerdings professionelle Rechercheure, Korrespondenten, Edelfedern und Reporter“. Nur durch sie könne die klassische Zeitung das „Medium eines entschleunigten Qualitätsjournalismus bleiben, der das Leserinteresse erst auf das Ungeahnte, Überraschende, Wissenswerte stößt“.

Ins gleiche Horn stößt in einem knackigen Interview auch Arianna Huffington, CR der 2005 gegründeten Huffington Post, für viele das Paradebeispiel für erfolgreichen Online-Journalismus, von anderen wie etwa ZEIT-Herausgebern auch als Totengräberin des Journalismus geschmäht. An dieser Stelle hebt sie zum einen hervor, dass Online nur mit orginären, unverwechselbaren und hoch interaktiven Plattformen reüssieren kann, zum anderen liest sie schnöseligen Möchtegern-Journalisten die Leviten. Die erste Pflicht des Journalisten bestehe darin, „der Wahrheit nachzuspüren – egal, welche Konsequenzen ihnen blühen“. Viele Standeskollegen dagegen würden sich „allzu häufig als Stenograph statt als ‚Watchdog’“ verstehen, „indem sie ihren Presseausweis als Eintrittskarte missbrauchten, um den Mächtigen möglichst nahe zu sein“.

Als Reverenz an die Online-KollegInnen und wohl nicht zuletzt ihre eigene Huffpo seufzt die „Königin der Blogger“ (Spiegel) zum Abschluss erleichtert: „Die Tage, in denen uns eingebildete Wichtigtuer diktierten, was wichtig ist und was nicht, sind vorbei – Gott sei Dank!“

Die Dame ist beeindruckend, zweifellos, doch sie vermittelt den Eindruck, dass erfolgreiche Frauen grundsätzlich der Männerwelt nacheifern, mit großer Bugwelle und hohem Testosteron-Ausstoß durch die Öffentlichkeit pflügen, um für ihre Geschäftsagenda Punkte einzuheimsen. Es gibt auch andere Journalistinnen, die weniger gespreizt agieren, damit aber noch mehr bewirken – per Click geht’s weiter zu einer weiteren bemerkenswerten Kollegin auf dem amerikanischen Kontinent sowie dem kulinarischen Feiertagsthema „Wissenschaft bis in den Osterbraten“ .

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