Meinung zum Klimawandel ist wetterabhängig

Die Ergebnisse einer interdisziplinären Untersuchung von Kollegen der University of New Hampshire, Lawrence C. Hamilton und Mary D. Stampone, erschienen im Journal der American Meteorological Society, lassen darauf schließen, dass die Ansichten von Laien zum Thema Klimawandel signifikant davon abhängen, wie ungewöhnlich das Wetter am Tag des Interviews ist. Auch wenn dies wohl die Zyniker unter uns nicht mehr wirklich überraschen dürfte, wirft es meiner Meinung doch ein weiteres Mal die Frage auf, wie viel „scientific literacy“ wir tatsächlich erwarten können, bzw. ob oder wie viel wir daran allein durch mehr Information und Aufklärung im klassischen Verständnis der Wissenschaftskommunikation wirklich ändern können. Wasser auf die Mühlen der Skeptiker also.

Aus der Studie:

Interviewed on unseasonably warm days, Independents tend to agree with the scientific consensus regarding anthropogenic climate change. On unseasonably cool days, they tend not to. Although temperature effects are sharpest for just a 2-day window, we see positive effects for longer windows as well.

Ergänzung / Details:
Die folgende Visualisierung zeigt die Deviation sehr anschaulich, vor allem dass sich die parteipolitisch nach eigenen Angaben Ungebundenen besonders stark von Wetteranomalien beeinflussen lassen.
Kommentar hierzu von den Kollegen in USA:
The lines are predicted probabilities from a weighted logit regression model, which estimates the effects of temperature along with individual age, sex, education and political party, and season of the year, using data from about 5,000 interviews. Shaded bands in the graph are 95% confidence limits.
We looked not at absolute temperature but at temperature anomalies — deviations of each day’s temperature from the normal (1981-2010) temperature for that date. Two-day average anomaly (the interview day and previous day) seems to have the strongest effect on climate beliefs, controlling for the other factors. Over the 99 dates covered by our interviews, these 2-day anomalies ranged from about -6 to +12 C. According to this analysis, temperature effects on the beliefs of independents are statistically significant (p = .001).

Ernüchternde Zahlen zum Thema „Literacy“ (siehe nebenstehenden Scan, hier aus dem Jahr 2005, basierend wie fast immer bei diesen Untersuchungen auf einem Fragenkanon wie etwa „Dreht sich die Erde um die Onne oder umgekehrt?“) findet man bei Miller (2012): „The sources and impact of civic scientific literacy“ in: M. Bauer et al. (Hrsg.): The culture of science. (Seiten 217-240). New York: Routledge.

 

Foto: This figure was prepared by Robert A. Rohde from publicly available data, and is incorporated into the Global Warming Art project.

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