freie Schusswaffen+++ein Kulturkampf+++wer hat schuld

Deutschlandfunk-Nachrichten, 10.04.2013, 11 Uhr früh: In den USA hat ein Vierjähriger beim Spielen ein Gewehr aus dem Haus geholt und einen Spielkameraden erschossen. Ob absichtlich oder ob der Schuss sich versehentlich von alleine löste, wird derzeit noch ermittelt.

Fördern Medien die Waffengewalt? (c) Benjamin-Thorn_pixelio.de

Fördern Medien die Waffengewalt? (c) Benjamin-Thorn_pixelio.de

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass uns Amokläufe und Massenmorde erschüttern, oft begangen in den USA. Präsident Obamas Vorstoß, schärfere Waffengesetze durchzusetzen, hat einen Kulturkampf ausgelöst, beobachtet das Handelsblatt, denn: Den Besitz einer Feuerwaffe, um damit notfalls ihr Leben zu verteidigen, betrachten viele US-Amerikaner als ein fast heiliges Grundrecht.

Dass dies aber möglicherweise der Grund der überbordenen Kriminalität und Unsicherheit in dem Land ist, haben nur wenige auf dem Zettel. Fakt ist, dass die freie Verfügbarkeit von Schusswaffen, fahrlässiger Gebrauch und Missbrauch für einen Großteil des Blutvergießens verantwortlich sind.

Sollen sie sich doch totschießen: Das könnte man noch als eine rein innenpolitische Angelegenheit betrachten, wenn hemmungsloser Waffengebrauch durch Hollywoodfilme nicht in die Welt hinausgetragen werden würde. Wer nachts durch die TV-Programme zappt, in Hamburg, Bogota oder Melbourne, trifft auf brutale, abstoßende Gewalt, die sich über einen großen Teil des Senderspektrums erstreckt. Der Kulturkampf ist kein inneramerikanischer, sondern mittlerweile ein globaler.

Das fordert heraus: Können es wir uns leisten, keine Meinung dazu zu haben? Stimmt es, dass Kinder aus sogenannt heilen Elternhäusern immun gegen die Suggestionen von Waffen sind? Sind Computer-Junkies, die förmlich mit ihren Rechnern verwachsen sind und sich aus dem weltweiten Netz entsetzlichste Horrorfilme hereinziehen, zwischen Film und Wirklichkeit noch unterscheiden? Was sagen die Forscher nun wirklich dazu, besonders angesichts des explosionsartig ansteigenden unzensierten Medienkonsums? Sind Forschungsergebnisse von vor wenigen Jahren, die den Schutzwall des Menschen gegen die Infiltration des Bösen eher hoch verorten, noch haltbar?

Dies alles wäre eine treffliche Debatte wert, besonders auch unter Einbezug der Journalisten. Sie sind es, die das Thema so aufladen und virulent machen. Meinen die Programmmacher der Weltkonferenz der Wissenschaftsjournalisten WCSJ 2013 im finnischen Helsinki. Keine Zeit für Recherche, Vorverurteilung vermeintlicher Täter, Panikmache. Drei kritische Wissenschaftsjournalisten, zwei US-Amerikaner und eine Finnin, ergründen die Wissenschaft hinter Killermentalitäten, Waffengeballer, Gewaltorgien.

World Conference of Science Journalists WCSJ 2013 Helsinki
25.06.2013, 14:00 – 15:30

THE MIND OF A KILLER—THE SCIENCE BEHIND GUNS AND VIOLENCE

Mass shootings from Newton to Norway have drawn enormous media coverage in recent years, gripping public attention as communities tried to respond to tragedy. Journalists play a central role in people’s efforts to understand these seemingly incomprehensible acts of violence, so they must handle the story with great care as it unfolds. The media almost always jump to conclusions about the mental health of the shooter, for instance, which can lead to misunderstandings about disorders like autism and schizophrenia and foster prejudice against people with those conditions. There is also a lot of misinformed debate about whether or not firearms make communities and households safer, which can inflame socio-political divisions at time when people are already hurting. This panel will discuss how science journalists can help resolve these problems by going over the latest research on gun violence and by pointing out the many opportunities they have to make sense of the senseless.

Panelists:

Curtis Brainard, editor of The Observatory, Columbia Journalism Review‘s online critique of science new, has written numerous posts criticizing the coverage of mass shootings.
http://www.cjr.org/the_observatory/

Shankar Vendantam is a science correspondent for National Public Radio (NPR) and a former science writer for The Washington Post, who has covered research on guns and violence for more than a decade.
http://www.npr.org/people/137765146/shankar-vedantam

Meri Valkama is a Finnish journalist who works for Journalisti – a professional magazine published by the Union of Journalists in Finland. Valkama has reported about violence against women and how it is covered in the Finnish media. She has also taken part in debates about shootings and firearms law.
http://community.ejc.net/profile/MeriValkama?xg_source=profiles_memberList

Siehe auch:
http://wcsj2013.org/mind-killer-the-science-guns-violence
http://wcsj2013.org/

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Ein Gedanke zu “freie Schusswaffen+++ein Kulturkampf+++wer hat schuld

  1. Warum müssen wir uns eigentlich mit der Ballerei beschäftigen und auseinandersetzen?
    Warum können Feuerwaffen jeglicher Art nicht extrem stark begrenzt werden auf Sicherheitskräfte
    wie Polizei oder evtl. auch Grenzschutz und Militär? Warum kann man quasi an jeder Ecke in einem
    Laden, im Internet offiziell eine Waffe kaufen, oder in Bahnhöfen, suspekten Kneipen und ja auch auf Flohmärkten
    „unter der Hand“?
    Es steckt wie so oft in unserer Gesellschaft ein Geschäft dahinter, viele wollen
    finanziell profitieren, viele wollen mit Waffe stärker sein als andere, Druck und Macht ausüben. Und Druck
    erzeugt Gegendruck, siehe USA. Jeder will dann eine Waffe haben, mit Selbstschutz wird argumentiert. So wird
    das Business angekurbelt, der Rubel rollt – und Köpfe rollen, das nimmt man, nehmen alle zwangsläufig in Kauf.

    Der Mensch vermiest sich das bisschen Glück, das er hat, eben immer wieder selbst.

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