Robert-Jungk-Jahr 2013 würdigt Wissenschaftsdebatte

Die Wissenschaftsdebatte war Thema auf einer Veranstaltung der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen JBZ in Salzburg. Sie beging den 100. Geburtstag des Wissenschaftsjournalisten und Zukunftsforschers Robert Jungk mit der Tagung „Kunst der Partizipation“. Moderatoren der von Jungk erfundenen Zukunftswerkstätten gingen der Bürgerbeteiligung und ihrem aktuellen Status in Theorie und Praxis nach.

Höhepunkt waren am Samstag, dem 4. Mai 2013, elf über die ganze Stadt verteilte Partizipationsbühnen. Die Ergebnisse wurden am Abend vor Bürgern und Vertretern der Stadt Salzburg im Schloss Mirabell präsentiert. Sie sprachen eine ganze Bandbreite von Problemen in der Mozartstadt an und legten Lösungen vor, die zusammen mit den Einwohnern gefunden worden waren, etwa: Wie der Ort kinderfreundlicher wird, wo Touristen der Schuh drückt, wie Senioren selbstbestimmt altern, welchen Beitrag die Kunst zu Ermutigungs- und Ermächtigungsstrategien der Bürger leistet.

Bei all dem ging es um eine lebhaftere Beteiligung der Menschen am gemeinschaftlichen Leben wie auch ihrem eigenen. Dieses Feld hatte Zukunftsmoderator Reinhard Sellnow zuvor in einem Impulsreferat abgesteckt. Die repräsentative Demokratie sehe Beteiligung nicht vor. Dafür wähle der Bürger einen Parteienvertreter seines Vertrauens. Weil das oft nicht funktioniere, haben sich Partizipationsformen durchgesetzt, vom Runden Tisch, über Open Space bis zu E-Formaten. Sie dürfen, so Sellnow, keiner „Akzeptanzbeschaffung“ dienen, sondern „auf beiden Seiten muss für gleich lange Spieße“ gesorgt werden.

Trotz bester Absichten steckt diese Partnerschaft in Konflikten. Im „Experten-Laien-Dilemma“ stehen die Prioritäten der Laien oft den längerfristigen Plänen der Experten entgegen. Es eskaliert, beobachtete Sellnow, zu einem Eigeninteresse-Gemeinwohlinteresse-Gegensatz (NIMBY: Not In My BackYard).

In einem World-Café spielten die Teilnehmer die Herausforderungen der Partizipation an zehn Thementischen durch. Eine Erziehungen, die zum Sich-Einmischen ermutigt, in Familien, Schule, Arbeitspatz, muss dem Menschen die Angst vor Einmischung nehmen. Dem „Ich-Wir-Paradoxon“ wurde der regelmäßige Perspektivwechsel gegenübergestellt. Und: Partizipation lebt auch von Führung. Nicht alles ist partizipativ lösbar.

Während der Tagung blitzte immer wieder der Jungk’sche Geist durch. Er wurde als innovativer und beherzter Mensch mit viel Zivilcourage gewürdigt, ein früher Warner vor der Atomenergie und technologischen Exzessen, Vordenker des Umweltschutzes und der Energiewende, Begründer des Sonnenzeitalters und alternativer Energien, letztendlich ein Vorbild für die Gestaltung der Zukunft und des Überwindens des Schweigens zwischen Zivilgesellschaft und Forschung.

Bereits vor der Tagung hatte JBZ-Leiter Dr. Walter Spielmann die Wissenschaftsdebatte gewürdigt als ein Anliegen, welches dem „Anliegen Robert Jungks“ folgt. Sie ziele darauf ab, in Jungks Sinne “Betroffene zu Beteiligten zu machen” und verdiene breite, auch kritische Reflexion. Er, Spielmann, und seine Mitstreiter würden sich freuen, wenn diese Diskussion im Rahmen des Robert-Jungk-Jahres 2013 intensiviert und öffentlich gemacht würde – „ein zentrales Zukunftsthema!“

Dies geschah am Sonntag nach den Partizipationsbühnen beim gemeinsamen Ausblick der Moderatoren und Tagungsteilnehmer. Eine Zeichnung zeigte die Zivilgesellschaft und wie sie mit den zentralen Einrichtungen unserer Gesellschaft kooperiert. Ihre Beteiligung an der Politik, insbesondere der kommunalen, ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen. Das traditionelle Bindeglied auf dem Gebiet der Arbeit zwischen Bürgern und der Wirtschaft sind die Gewerkschaften. Die schwächeln. Eine neue Art der bürgerschaftlichen Selbsthilfe beim Wirtschaften zielt auf die Gründung von Genossenschaften. So weit, so gut, dann kommt im Bild eine Riesenmauer, dahinter ein Turm. Zwischen den Elfenbeintürmen und Zivilgesellschaft gibt es bisher wenig Dialog. Den will wissenschaftsdebatte.de stiften.

Weitere Information über die Veranstaltungen im Robert-Jungk-Jahr

JBZ: http://www.jungk-bibliothek.at
Zukunftswerkstätten: http://robertjungk100.org/2012/09/12/internationale-zukunftswerkstatten-tagung-kommt-nach-salzburg/
Partizipationsbühne Wer (nicht) mitmacht, kommt (nicht) vor: http://www.facebook.com/media/set/?set=a.644808068867226.1073741837.179776442037060&type=1

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5 Gedanken zu “Robert-Jungk-Jahr 2013 würdigt Wissenschaftsdebatte

  1. At the annual meeting of the future workshop presenters in the German-speaking 11 places in Salzburg were prepared
    to give along with Salzburg groups of citizen participation and shaping the future of the population an opportunity
    explore future opportunities to participate with the old and young friends of Robert Jungk.

    Robert Jungk 100 – The Art of Participation – Robert Jungk in Salzburg

    The Robert Jungk Library for Future Studies of Salzburg, in collaboration with future workshops Club Cologne, the city of Salzburg, OGUT Vienna, St. Virgil Salzburg and many more major Partizipationstag Robert Jungk in the sense that this year its 100th Birth was celebrated. To the program is varied and very interesting – it is, after all, about how to motivate people to participate in Salzburg, can incorporate in decisions and active life!

    One of the stages: Holzer Gschicht, staged by the Peace office Salzburg:
    How is a person falling to be to a homeless person and how we deal with it? The first is to look away, the second often a hassle:
    With theater methods, the group explored the drama ends with two Accompanying the reactions and needs of the audience:
    They were asked about the desired background themes and feelings that each influenced the course of events.

    The bar owner on the first Venue clearly distanced himself from the behavior of the actor who sells the homeless,
    at another venue on the Salzach River, on which the ships waltzed, there were many other interested parties.

    Participatory research brings new experiences that are quickly exchanged neighborly conversations,
    and moderation, drama end and support a field research that is internationally recognized in Salzburg audience:
    Fear of the theater, fear of the subject, but then intense empathy, understanding and differentiation.

    In the evening we presented at a reception by the Lord Mayor of Salzburg before the projects and exchanged experiences.

  2. At the annual meeting of the future workshop presenters in the German-speaking 11 places in Salzburg were prepared

    to give along with Salzburg groups of citizen participation and shaping the future of the population an opportunity

    explore future opportunities to participate with the old and young friends of Robert Jungk.

    Robert Jungk 100 – The Art of Participation – Robert Jungk in Salzburg

    The Robert Jungk Library for Future Studies of Salzburg, in collaboration with future workshops Club Cologne, the city of Salzburg, OGUT Vienna, St. Virgil Salzburg and many more major Partizipationstag Robert Jungk in the sense that this year its 100th Birth was celebrated. To the program is varied and very interesting – it is, after all, about how to motivate people to participate in Salzburg, can incorporate in decisions and active life!

    One of the stages: Holzer Gschicht, staged by the Peace office Salzburg:

    How is a person falling to be to a homeless person and how we deal with it? The first is to look away, the second often a hassle:

    With theater methods, the group explored the drama ends with two Accompanying the reactions and needs of the audience:

    They were asked about the desired background themes and feelings that each influenced the course of events.

    The bar owner on the first Venue clearly distanced himself from the behavior of the actor who sells the homeless,

    at another venue on the Salzach River, on which the ships waltzed, there were many other interested parties.

    Participatory research brings new experiences that are quickly exchanged neighborly conversations,

    and moderation, drama end and support a field research that is internationally recognized in Salzburg audience:

    Fear of the theater, fear of the subject, but then intense empathy, understanding and differentiation.

    In the evening we presented at a reception by the Lord Mayor of Salzburg before the projects and exchanged experiences.

  3. ZUKUNFT GEWINNEN: So lautet eine Tagung in Berlin anlässlich des 100. Geburtstages von Robert Jungk. TERMIN: Mittwoch, 22. Mai 2013
    ORT: Vertretung des Landes NRW, Hiroshimastr. 12-16, 10785 Berlin.

    Die Gesprächsrunde „Mehr Demokratie und bürgerschaftliches Engagement“ (14.20 – 15.40) wird mitbestritten von Manfred Ronzheimer vom TELI-Berlin-Vorstand, zusammen mit Prof. Dr. Helmut Klages, Soziologe und Zukunftsforscher, Reinhard Sellnow, Projekte Zukunftswerkstätten, Hans-Jörg Sippel, Vorsitzender Stiftung Mitarbeit.

    Ronzheimer hat über das Vermächtnis von Robert Jungk in der taz einen Artikel veröffentlicht (Vergessenes Wissen):
    >>> http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2013/05/17/a0124

    Darin würdigt er den prominenten Wissenschaftsjournalisten und Zukunftsforscher als Vordenker der „Citizen Science“.

  4. ZUKUNFT GEWINNEN: So lautet eine Tagung in Berlin anlässlich des 100. Geburtstages von Robert Jungk. TERMIN: Mittwoch, 22. Mai 2013

    Ort: Vertretung des Landes NRW, Hiroshimastr. 12-16, 10785 Berlin

    Programm:

    09.00 Anmeldung

    10.00 – 10.15 Musikalische Eröffnung

    Chor der Robert-Jungk-Oberschule Berlin, Leitung: Herr £agodziñski

    10.15 – 10.30 Begrüßung

    – Peter Stiller, Heinrich-Böll-Stiftung

    – Prof. Dr. Rolf Kreibich, World Future Council

    10.30 – 10.45 Film

    „Ich bin ein Agitator fürs Überleben“ (Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm über Robert Jungk)

    10.45 – 11.30 Freunde von Robert Jungk gratulieren zum 100.

    Franz Alt, Reiner Braun, Peter Stephan Jungk, Helmut Klages, Rolf Kreibich, Peter Mettler, Peter Owsianowski, Dietger Pforte, Eva Quistorp, Olaf Schwencke, Philipp Sonntag, Walter Spielmann, Christian Wend

    11.30 – 12.00 Kaffeepause

    12.00 – 13.00 Zukunftsforscher und Zukunftsgestalter im Dialog mit Schülerinnen und Schülern der Robert-Jungk-Oberschule und der LandesSchüler-Vertretung und des Landesschülerausschusses

    Diskussionsrunde:

    Prof. Dr. Josef Huber, Rektor Thomas Knaack, Prof. Dr. Rolf Kreibich, Werner Mittelstaedt, Prof. Dr. Reinhold Popp, Prof. Dr. Holger Rogall, Prof. Dr. Gesine Schwan, Dr. Karlheinz Steinmüller, Lehrerin Ilse Willbrand, Lehrer Werner Ziegler, Berliner Schülerinnen und Schüler, Moderation: Dr. Franz Alt

    13.00 – 14.00 Mittagspause

    14.00 – 14.20 Begrüßung

    Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien und Bevollmächtigte des Landes NRW beim Bund

    Tanzgruppe der Robert-Jungk-Oberschule: „Sich entfaltende Friedenstaube“, Leitung: Ilse Willbrand

    14.20 – 15.40 Gesprächsrunde und Plenum

    Mehr Demokratie und bürgerschaftliches Engagement

    Diskussionsrunde:

    – Prof. Dr. Helmut Klages, Soziologe und Zukunftsforscher

    – Manfred Ronzheimer, Wissenschaftsjournalist

    – Reinhard Sellnow, Projekte Zukunftswerkstätten

    – Hans-Jörg Sippel, Vorsitzender Stiftung Mitarbeit

    – Ulrike von Wiesenau, Vorsitzende Berliner Wassertisch

    – Ein Vertreter des Landesschülerausschusses

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