LIVE-DEBATTE: Länger leben, flexibler arbeiten – mit Absturz in die Altersarmut?

Rainer Sturm_pixelio.de

Rainer Sturm_pixelio.de

Durch Deutschland rollt eine demografische Umwälzung. Altersforscher diagnostizieren, dass wir immer älter werden und fit dabei bleiben.

  • Ist Zwangsverrentung deshalb nicht eine Altersdiskriminierung?
  • Sollte jeder so lange arbeiten dürfen, wie sie oder er will?
  • Verdienen besonders Frauen und Migranten nicht bessere Erwerbschancen?
  • Was macht die Verwerfung der Alterspyramide mit unseren Renten?
  • Erwartet viele Senioren die Armut?
  • Muss die Altersversorgung neu aufgestellt werden?

Die TELI-Live-Wissenschafts-Debatte ist ein neuartiges Format. Sie überspannt Forschung, Politik und Zivilgesellschaft. In diesem Dreieck sucht sie vor den Bundestagswahlen nach robusten Antworten.

    Dienstag, 30. Juli 2013, 18.30
    PresseClub München, Marienplatz 22, 4. St.
    (S-&U-Bahn, Zugang zum Lift durch Café „Am Marienplatz“ – neben Hugendubel, Liftservice 18 – 18.45 Uhr)

  • Wolfgang C. Goede, Wissenschafts-Journalist & TELI ->> Einführung Wissenschafts-Debatte
  • Dr. Michela Coppola, Max-Planck-Inst. für Sozialrecht & Sozialpolitik/Munich Center for the Economics of Aging ->> Wissenschafts-Impuls
  • Otto Teufel, Aktion Demokratische Gemeinschaft ADG ->> Gesellschafts (NGO)-Impuls
  • Bundestagskandidaten aus dem Raum München: SPD – Roland Fischer, CSU – Max Straubinger, Bündnis 90/Die Grünen – Dieter Janecek, FDP – Dr. Daniel Volk, Linke – Klaus Ernst, Piraten – Alexander Bock ->> Politik-Impuls
  • Publikum ->> Wähler-Bürger_Innen-Impuls
  • Maren Schüpphaus, Science Dialogue & Netzwerk Gemeinsinn e.V. ->> Moderation
  • WISSENSCHAFTLICHER HINTERGRUND

    Heute Geborene haben eine Lebenserwartung von 100 (!) Jahren. Demografen, Soziologen und Altersforscher verlangen eine durchgreifende Flexibilisierung der Beschäftigungspolitik und Lebensarbeitszeit. Um dieses Thema dreht sich die neueste Ausgabe der Fachzeitschrift Max Planck Forschung „Gesellschaft im Wandel“. Darin spricht sich Axel Börsch-Supan, Direktor am Münchner Max Planck Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, für die Erwerbsbeteiligung aus.

    Das heißt: Menschen müssen früher als bisher in Lohn und Arbeit kommen und länger tätig bleiben. Nur so lasse sich eine Erosion des Lebensstandards vermeiden. Das verlangt mehr Kinderbetreuungsplätze, bessere Chancen für Frauen, Studienreformen, Integration von Migranten.

    Börsch-Supans Kollege James Vaupel, Direktor am Rostocker Max-Planck-Institut für Demografie, geht einen Schritt weiter. Er ist für die Freistellung der Lebensarbeitszeit. Jeder darf so lange arbeiten, wie er will. Das ist bereits in England der Fall, wo die Zwangspensionierung als Altersdiskriminierung gilt und verboten ist.

    Auch in Deutschland wollen immer weniger Menschen mit dem Erreichen der Altersgrenze zum „alten Eisen“ gehören. Fast eine Million Deutsche über 65 gehen mittlerweile einer Beschäftigung nach. Aus dieser wachsenden Nachfrage ist bei der Vermittlungsbörse „Rent a Renter“ ein florierendes Geschäftsmodell entstanden. Das findet die Unterstützung von Altersforschern: Nur wer der Abwärtsspirale widersteht, neue Herausforderungen sucht und sein Gehirn auf Trab hält, bleibt bis ins hohe Alter fit und wehrt Krankheiten ab.

    Dennoch: Der Sozialwissenschaftler Eckard Bomsdorf von der Universität Köln erforscht fließende Ruhestandsalter, Lebensarbeitszeitkonten, Sabbatjahre und fragt, ob sich ein flexibles und festes Rentenalter unter einen Hut kriegen lassen – oder ob das ein Widerspruch ist.

    Damit stehen auch die Renten und das künftige Versorgungssystem für ältere Menschen im Rampenlicht. Das eine lässt sich vom anderen nicht trennen, sagt die Aktion Demokratische Gemeinschaft ADG, eine Bürger_Innen Lobby und NGO für ein ausgewogenes und gerechtes Rentensystem. Das müsse die drohende Altersarmut vieler älterer Bürgerinnen und Bürger verhindern.

    IST DAS ALLES DIE QUADRATUR DES KREISES?

    Die Live-Wissenschafts-Debatte der Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI e.V. im Münchner PresseClub stellt diese Fragen zur Diskussion. Ein wissenschaftlicher Impuls aus der Forschung reißt das Problem auf. Ein zweiter adressiert die gesellschaftliche Dimension. Dann ist die Politik daran. Die Bundestagskandidaten der verschiedenen Parteien aus dem Raum München nehmen dazu Stellung. Schließlich haben die Bürgerinnen und Bürger das Wort. Die Veranstaltung soll am Ende zu einer Empfehlung zu diesem vielleicht wichtigsten Zukunftsthema gelangen.

    Eine Veranstaltung der Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI e.V. und des Netzwerks Gemeinsinn e.V.:

    www.teli.de
    www.wissenschaftsdebatte.de
    www.netzwerk-gemeinsinn.net

    [ Artikel drucken ]

    6 Gedanken zu “LIVE-DEBATTE: Länger leben, flexibler arbeiten – mit Absturz in die Altersarmut?

    1. Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

      Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

      http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

      oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

      Laut Politik müsse man sich „integrieren“ (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich „nicht integriert“ sind (auch sehr viele Deutsche), gar nicht aufbringen können.

      Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

      Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

      Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

      Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

      Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

      Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

      Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

      Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

      Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

      Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

      Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

      Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

      Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

      Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

      Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

      Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

      Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

      Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

      So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

      „Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden“ (Helmut Schmidt)

    2. Pingback: Forschung, Bürger und Politik im TRIALOG | Wissenschaftsdebatte

    3. Pingback: Erste Live Debatte baut Brücke von der Forschung zur Politik | Wissenschaftsdebatte

    4. Pingback: Podiumsdiskussion zum Thema Arbeit und Rente | Alexander Bock

    5. Jeder Bürger SOLLTE seinen Beitrag leisten. Das Beamtentum sollte -muss- an der allgemeinen Rentenversicherungsleistung beteiligt sein – werden – – – das wäre ein Teil der Lösung…
      wie es jetzt gestaltet ist, wird es nicht weiter gehen können. Die immens hohen Pensionsleistungen führen irgendwann in die Zahlungsunfähigkeit des Staates…

      -Teilen- ist das Zauberwort auf dem Weg in die Zukunft…LIEBER FREUWILLIG als
      gezwungener Maßen…prdd

    6. Ach ja, immer dieselben… Und das Publikum? „Publikum ->> Wähler-Bürger_Innen-Impuls“ auch da kommen doch immer nur dieselben. — Falls es interessiert: Nicht nur in England gilt die Zwangspensionierung als Altersdiskriminierung. Das ist auch in den skandinavischen Ländern so. In letzteren gibt es damit aber bereits ein Problem: Die Alten hocken fest auf ihren Posten und lassen die Jungen nicht ran, die auf der Straße stehen und nicht wissen, wann sie denn mal mit Geldverdienen dran sind… Auch: Die Mehrheit hat die Macht, die Alten haben die Mehrheit und bestimmen, wo es lang geht. Ich bin für eine „Jugendquote“.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.