Kunstfleisch als Weltrettung?

Schmackhaft?!

Von Marc-Denis Weitze

Die Auswirkungen der massenhaften Fleischproduktion auf Umwelt und Ressourcenverbrauch sind unübersehbar. Gigantischer Flächenverbrauch, Tierhaltung setzt mehr Treibhausgase frei, als der gesamte Verkehrssektor, und: Die globale Fleischnachfrage steigt immer weiter an, auch aller ethischer Argumente gegen (Massen)Tierhaltung zum Trotz.
Was man dagegen tun kann, wusste aber schon der spätere britische Premierminister Winston Churchill vor 80 Jahren: „Wir werden vom Aberwitz abkommen, ein ganzes Hühnchen zu züchten, nur um eine Brust oder einen Flügel zu essen, indem wir diese Teile separat in einem geeigneten Medium heran züchten.“

Solch ein Kunstfleisch macht Mark Post von der Universität Maastricht [http://www.maastrichtuniversity.nl/web/Main/Research1/ResearchUM/FirsteverPublicTastingOfLabgrownCulturedBeefBurger.htm]. Tissue Engineering heißt das Zauberwort: Zur Herstellung von Kunstfleisch auf diesem Weg müssen zu Beginn adulte Stammzellen lebenden Tieren entnommen werden. Damit sie sich teilen, wachsen und zu den gewünschten Muskelzellen entwickeln, brauchen sie im Bioreaktor exakt 37 Grad Celsius und den richtigen Nährstoffmix. Nach der Zellteilungsphase differenzieren sich diese zu Muskelzellen und sollen möglichst gut wachsen. Der ganze Prozess wird gesteuert durch Wachstumsfaktoren, Promotoren etc. Schließlich spielen auch mechanische und elektrische Reize eine Rolle – die Kunstmuskeln müssen „trainiert“ werden, damit sie richtig wachsen. Wenn das alles funktioniert, entstehen Fleischschichten des künstlichen Gewebes.

Herausforderungen der Kunstfleisch-Forschung bestehen zwar auf jeder Stufe der Herstellung, von der Wahl der Stammzellen bis zur Nachbearbeitung. Dennoch konnte Mark Post im August 2013 erstmals einen Burger aus Kunstfleisch zusammenkratzen: 140 Gramm, dessen Geschmack und Konsistenz, so eine Test-Esserin, in Ordnung waren.

Die Forschung zu Kunstfleisch findet vorwiegend in den Niederlanden statt. In Deutschland sind derzeit Ansätze einer Kunstfleisch-Forschung nicht sichtbar – obwohl hierzulande die umfangreiche Forschung zur Züchtung von Zellkulturen eine gute Basis bilden könnte. Ist hier kein Bedarf, oder fängt jemand an?


Dr. Marc-Denis Weitze ist Wissenschaftskommunikator (Schwerpunkt Neue Technologien) und hauptberuflich tätig im Bereich des Wissenschaftsmanagement.
Hirschbergstr. 5, 83666 Waakirchen, weitze@gmx.net

Foto: cb_pixelio.de

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