Unternehmer im Unternehmen
steigern die Chancen

900 Teilnehmer diskutierten auf dem 16. Münchner Management Kolloquium über Chancen und Risiken neuer Unternehmensorganisationen (von Gerhard Gooß)

„Wir müssen uns so aufstellen, dass wir nach der Talfahrt gestärkt sind, um uns der weltweiten Konkurrenz weiterhin zu stellen“, so Wildemanns Plädoyer: „Wir müssen jetzt die Mitarbeiter zu Unternehmern im Unternehmen machen, um die Chancen zu steigern und die Risiken zu minimieren.“ Eine andere Strategie könne man sich zur Zeit wohl kaum vorstellen.

Trotz gleich gebliebener Teilnahmegebühren und trotz der Sparzwänge in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten konnte Prof. Horst Wildemann an der Technischen Universität München am 17. und 18. März wieder 900 Teilnehmer zum 16. Münchner Management Kolloquium begrüßen.

Dabei schien das Motto der Veranstaltung nicht mehr brandaktuell: „Der Unternehmer im Unternehmen, Chancen und Risiken neuer Unternehmensorganisationen“. Das war unter dem Konkurrenzdruck des Globalisierungszwangs gewiss ein wichtiger Aspekt effizienten Handelns, aber jetzt in der Absatzkrise?

Wen interessierte zurzeit noch, ob durch unternehmerisch denkende Mitarbeiter weitere Kostenvorteile erwirtschaftet werden. Die wirtschaftliche Existenz der Unternehmen hängt jetzt immer mehr von genügend Aufträgen ab und nicht so sehr von internen Feinjustierungen des Kostendenkens.

„Vor einem Jahr gab es noch keine Krise“, so Wildemann, „Da hatten wir uns bereits auf das Motto festgelegt. Wir haben achtzig Referenten und Moderatoren für unsere zwanzig Diskussionsthemen angefragt und uns damit nicht nur organisatorisch, sondern auch thematisch gebunden“.

Nach der Krise ist vor der Krise

Vor einem Jahr wurde die Globalisierung, verbunden mit der Dezentralisierung, noch als Grundvoraussetzung unternehmerischen Handelns empfunden. So stand es in der Einladung. Heute dagegen gilt es, sich auf eine unberechenbare Zukunft einzustellen, durch Sicherung der Existenz in vielleicht zusammenbrechenden Märkten. Für die Diskussionsleiter und die Referenten eine Herausforderung, trotzdem aktuell zu bleiben.

Die zwanzig Einzelthemen, wie „Führung im globalen Unternehmen“ oder Wachstum durch Kundennähe“ und „Innovationen organisieren“, ließen sich wohl zu beiden Perspektiven diskutieren. Einige davon passen sogar besonders gut zur aktuellen Situation, wie „Unternehmertum in turbulenten Märkten“ und „Change Management“ oder „Organisation und Transformation“.

Das Kolloquium war mit zwanzig Einzelthemen so konzipiert, dass jeder Teilnehmer die Wahl zwischen zwei Fragestellungen hatte. Jedes Thema wiederum wurde mindestens von zwei, manchmal von drei Spitzenmanagern referiert und von einem Wissenschaftler moderiert. Wildemann hatte dafür die Zusage von bundesweit über fünfzig Vorständen – darunter von vielen DAX-Unternehmen – sowie von Geschäftsführern und zwanzig Hochschullehrern. Und genau dieser Zuspruch ist einzigartig und wird auch im Kollegenkreis als bemerkenswert registriert.

Wissenstransfer aus Tradition

„Der Grund dafür sind sicher die Tradition dieser Veranstaltungen“, so Wildemann. Andererseits seien dafür doch immer wieder ganz individuelle Gespräche nötig. Die Tradition reiche über zwanzig Jahre zurück: Wildemann war bis 1988 Professor in Passau: „Damals waren die Japaner uns mit ihrer Managementwissen weit voraus. Und zur Diskussion dieser Methoden, z. B. der „Just-in-time-Fertigung“, haben wir in Passau sogar die Nibelungenhalle gefüllt. „Uns ist der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis wichtig. Das Kolloquium soll ein Bindeglied zwischen Universität und Wirtschaft sein“, betont Wildemann.

Großunternehmen sind anders betroffen als Mittelständler

„Aus meiner Sicht sind Großunternehmen und mittelständische Unternehmen von der Wirtschaftskrise unterschiedlich betroffen“, so Wildemanns Erkenntnisse aus dem diesjährigen Zusammentreffen mit den Wirtschaftsführern: „Zum einen sind da die Absatzzahlen und die Rendite, zum anderen die Innovationen und die Märkte“. Vielleicht kann das so interpretiert werden: Während die Großindustrie sich um die Auslastung und die Rendite sorgt, versucht der Mittelstand verstärkt über Innovationen Aufträge zu aktivieren. Beide mit dem Ziel des Erhalts der Beschäftigungsmöglichkeiten und damit auch der eigenen Existenz.
Also war die Wirtschaftskrise doch das Thema? Vielleicht nicht das Thema, aber auch eines. Denn nach der Krise ist vor der Krise. Und weshalb sollte man sich nicht jetzt darauf vorbereiten? Wann denn sonst?

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