Wie hoch ist der IQ von Beton?
Vielleicht bald höher als unserer!

Eisen, Beton, Glas, Keramik – das sind für viele von uns nicht so die richtig spritzigen Themen, mit denen wir glauben, ein Publikum entzünden zu können. Denkt man, doch das ist falsch!

Richtig ist das Gegenteil:

Das sind die „Shooting Stars“ der Zukunft, mit denen Journalisten richtig punkten können. Wenn die Materialforscher ihre Stoffe ein wenig anders anmischen und ein paar Fremdstoffe durchschießen, das Ganze um ein wenig Nanotechnologie und Mikroelektronik erweitern, dann werden aus den „tumben“ Werkstoffen smarte Hightech-Stoffe mit beträchtlichem Intelligenzquotienten, mit dem sich bald vielleicht nicht einmal der Mensch mehr messen kann – Beispiele:

Eine Porzellantasse besteht im Wesentlichen aus Silizium und Sauerstoff – wenig aufregend – , aber wenn man in diese Masse ein paar Exoten wie Ytterbium hineinschmuggelt, entsteht daraus ein Supraleiter, der Strom fast widerstandslos leitet. Die Plastiktüte aus Polyethylen ist auch nicht besonders sexy, aber wenn die Kohlenstoffketten mit Metallen geimpft werden, entstehen daraus Funketiketten, RFID-Chips. Glas mit einer Schicht aus nanokleinen Partikeln wird zum Wächter, der verdächtige Bewegungen meldet. Selbst der geschmähte Beton kriegt Hightech-Appeal: Er kann sich durch Einbau von Sensoren und Kunststoffen selber sanieren!

Doch wieviel Vertrauen haben wir in zukünftige Jets, die fast nur noch aus Carbonfasern bestehen? Das ist ein spannendes Recherchethema, nicht viel weniger als intelligente Autokarosserien, die sich selber „entbeulen“, wenn das Einparken mal nicht so geklappt hat. Aber brauchen sie wirklich, reine Spielerei oder eine Zukunftswirtschaft?

Seit der Industrialisierung hat Deutschland gut von den Werkstoffen gelebt, sie waren ein mächtiger Entwicklungsmotor. Stahl aus dem Ruhrpott war in der ganzen Welt begehrt, und die legendären Solinger Messer sind bis heute immer noch schärfer und langlebiger als alle anderen Schneidewerkzeuge auf dem Weltmarkt. Doch seit einiger Zeit schwächelt die gesamte Werkstoffherstellungsbranche in Deutschland. Keiner scheint an dieser Schatzkammer mehr interessiert zu sein, besonders bei den Hochschulen, FHs und TUs. Studenten winken müde ab, sie fühlen sich von Trendigerem angezogen, ein Markt mit dem Volumen von einer Billion Euro bröckelt.

Das kann sich dieses Land nicht leisten, das kann keiner hinnehmen, besonders in Krisenzeiten wie diesen, deshalb macht die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech mobil gegen den Missstand mit einer Öffentlichkeitskampagne und einem Angebot für Journalisten, wie sie die scheinbar tote Materie zu Leben erwecken können:

Spröde Werkstoffe sind sexy!

[ Artikel drucken ]

2 Gedanken zu “Wie hoch ist der IQ von Beton?
Vielleicht bald höher als unserer!

  1. Daniel,

    interessanter Gedanke. Solltest Du weiter verfolgen und bei der BPA/TELI-Veranstaltung in Berlin vorbringen.

    Um den Gedanken weiter zu spinnen: Sind all die Innovationen wirklich nützlich, wenn man daran denkt, dass die Zyklen immer schneller werden und dass immer wieder für viel Geld re-investiert werden muss. Und dabei werden ältere Materialien und Produkte vernichtet, die ihren Dienst durchaus noch weiter tun könnten. Auch unter Umweltgesichtspunkten durchaus problematisch (Diskussion um Schrottprämie: Alte Autos bis zum Ende fahren ist umweltfreundlicher, als dauernd das neueste Energiesparmodell zu fahren).

    / Hajo

  2. Lieber Wolfgang,

    interessante Sichtweise. Sicherlich galt Deutschland lange Zeit als eine der Innovationsschmieden für Werkstoffe, wobei der Stahl aus dem Ruhrpott garantiert nicht stets Hightech war, sondern schlicht und einfach für gleichbleibende Qualität stand. Für Werkzeughersteller etwa ist das sehr wichtig. Bekommen sie Stähle mit unterschiedlichen Eigenschaften, so müssen sie ihre Maschinen immer wieder justieren. Das erleben sie ja gerade, weshalb viele lieber wieder „Deutsche Qualität“ wollen. Die ist allerdings teurer. Bezahlen will’s nur kaum einer.

    Keine Angst!

    Garantiert wird es auch in Zukunft spannende Werkstoffe „made in Tschörmanie“ geben. Ich denke da etwa an geschäumte Stähle, faserverstärkten Beton oder schwingungsarme Glasscheiben für Schiffe. Doch man muss sich vor Augen halten, dass sich die Welt weiter gedreht hat, wahrscheinlich sogar etwas schneller als vielen von uns lieb ist… Know-how, das einst unseren Ingenieuren „vorbehalten“ war, haben heute tausende Ingenieure in aller Welt, überall wird geforscht, was das Zeug hält. Alle wollen ‚was vom großen Kuchen abhaben, und wir bekommen ganz schnell Angst, dass bei uns bald nichts mehr entwickelt/produziert wird.

    Da kommen Werkstoffe wie die von dir beschriebenen doch gerade richtig! Die Welt muss nur wissen, dass es sie gibt und was sie können…. Und natürlich wo sie entwickelt werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.