Der Medien-Doktor

Der deutsche Wissenschaftsjournalismus hat eine neue Einrichtung, den Medien-Doktor. Er soll helfen, die Qualität der Medizinberichterstattung zu heben.

Viel zu viele Journalisten “machen sich zum Sprachrohr von Medizinern und Pharmafirmen”, kritisiert Marcus Anhaeuser im wpk Quarterly III-2010. Ein Team von Journalisten bewertet regelmäßig Artikel und Sendungen, in denen neue Wirkstoffe, Therapien und diagnostische Tests vorgestellt werden, erklärt der leitende Redakteur des Medien-Doktors.

Es wird die Beitraege darauf ueberpruefen, ob sie auch die “Nebenwirkungen, die Kosten und Alternativen thematisieren”. Durch die Praesentationen auf der Webseite sollen nachhaltige Lerneffekte erzielt werden wie sie sonst nur Fortbildungsseminare vermitteln.

Beteiligt an dem Projekt der TU Dortmund und der Initiative Wissenschaftsjournalismus sind auch Julia Serong und Alexander Goerke vom Lehrstuhl fuer Wissenschaftsjournalismus und Wissenskommunikation an der FU Berlin. Der Medien-Doktor beurteilt weiterhin, “wie valide und evident die Studien sind”, schreiben sie, das heisst, wie neu die Ergebnisse sind, welche Interessenskonflikte bestehen und “ob es sich bei dem zu behandelnden Problem tatsaechlich um eine ernstzunehmende Krankheit handelt”.

Mit der Pathologisierung von Normalzustaenden, die das Alter mit sich bringt, lasse sich einerseits eine Menge Geld verdienen. “Andererseits ist beispielsweise nicht jede normale Mitvierzigerin allein schon deshalb krank, weil sie nicht dieselbe Knochendichte aufweist wie eine gesunde Frau Mitte zwanzig”, fahren sie fort. Gesund und krank sein ist also durchaus etwas sehr Relatives, das mit dem Alter und vielen anderen Faktoren zu tun hat. Auch das stellt der Medien-Doktor auf den Pruefstand.

Er orientiert sich am US-amerikanischen HealthNewsReview.org, dessen Leitwerte die Genauigkeit, die Ausgewogenheit und die Vollstaendigkeit sind. Das Vorbild aus den USA hat sich zum Ziel gesetzt, die Verbraucher dazu zu erziehen, dass sie kritischer mit den Gesundheitsprodukten umgehen. Weitere Einrichtungen dieser Art gibt es in Australien und Canada. Dort heissen sie Media Doctor Australia und Media Doctor Canada.

In einem Interview mit dem wpk Quarterly sagt der Leiter der Health News Review, Gary Schwitzer, dass in den letzten vier Jahren zwei Dutzend Gutachter 1300 Berichte der US Massenmedien unter die Lupe genommen haetten. “70 Prozent erfuellten die Kriterien guter Medizinberichterstattung nur teilweise oder gar nicht”, bedauert er.

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Ein Gedanke zu “Der Medien-Doktor

  1. Lieber Herr Goede,

    danke für den Hinweis auf unser Projekt. Eine kleine Korrektur: Julia Serong und Alexander Goerke und die FU Berlin sind nicht am Projekt beteiligt, sie beschreiben den Medien-Doktor lediglich im Quarterly.

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