Software identifiziert journalistische Plagiate

Nicht nur Doktoranden und Habilitanden schreiben ab, auch Journalisten, und das nicht zu knapp. Für diese Unart haben britische Kollegen einen Begriff erfunden: Churnalism.

Die Beschleunigung und Verdichtung in der Medienbranche mit immer weniger qualifiziertem Personal führt dazu, dass immer mehr Journalisten wie Wissenschaftler die Copy-Paste-Taste drücken, das Ganze ein wenig verrühren, schon ist der neue Artikel gebacken. Darüber berichtete unlängst auch ausführlich die internationale Journalistenzeitschrift message.

Der Guardian
stellt nun in seinem Beitrag „Science Churnalism“ eine neue Software vor, mit der man journalistische Plagiate sofort identifizieren kann. Churnalism.com ist allerdings limiert auf die UK Medien. Der Autor des Beitrags, Martin Robbins, ermittelte bei Stichproben, dass der „Telegraph“ fast alles kopierte, die „Times“ etwa die Hälfte, BBC immerhin noch über 40 Prozent.

„Churnalism untergräbt
die redaktionelle Integrität“, resümiert Robbins. Wo ist der Unterschied zu einem ungekennzeichneten Advertorial (eine Anzeige, die wie ein redaktioneller Beitrag erscheint)?, fragt er. Ausführliches Zitieren, bis zu einem Viertel und mehr, findet Robbins in Ordnung, aber der Journalist muss eigene Recherchen beisteuern, sonst wird der Mediennutzer getäuscht – oder mit Ed Yong’s Worten in „Discover“:

„Ohne Analyse
oder Stellung zu beziehen bleibst du ein Nachrichtenübermittler, ein Mittelsmann, ein Megaphon mit Ohren. Wenn du das unter Journalismus verstehst, dann ist mein RSS Reader auch ein Journalist.“

Danke Hajo Neubert, der diesen Text im Netz ausgrub!

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