Debatte »Klima und Wirtschaft«

by Arno Kral | 5. Oktober 2015 16:42

It’s the economy – stupid!

Ja, es ist möglich, das Klimaproblem in den Griff zu bekommen, sofern die UN-Klimakonferenz COP 21 im Dezember 2015 in Paris die richtigen Entscheidungen trifft. Das ist das Ergebnis der TELI-Wissenschaftsdebatte zur Klimaherbst-Veranstaltungsreihe in München. Die Erderwärmung bis 2050 auf zwei Grad zu begrenzen, ist machbar – aber nur dann, wenn sofort damit begonnen wird, den Ressourcenverbrauch zu bremsen.

Die Risikoforschung belegt mit ihrer Analyse von Katastrophendaten, dass das Anheizen der Atmosphäre für Wirtschaft und Verbraucher hohe Kosten verursacht. „Ein Umsteuern findet statt – der Finanzbereich denkt bereits viel über die Umlenkung der Investitionen in weniger klimaschädliche Wirtschaftsbereiche nach“, sagt wer Prof. Dr. Gerhard Berz von der Munich Re. Ein Teilnehmer meinte, dass bilaterale Handelsabkommen aber den Status Quo einer durchaus veränderungswilligen Wirtschaft zementieren und soziale Standards aufweichen. „Sie dürfen allerdings nicht an den Parlamenten vorbei verabschiedet werden, warnt Berz. Nur dann bieten sie die Chance, unsere Vorstellungen von einer Wirtschaftsordnung einzubringen und andere von unseren Wertmaßstäben zu überzeugen: Die Politik muss der Wirtschaft wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen diktieren und verbindliche Standards setzen und das Anheizen des Klimas mit Kosten belegen.

„Die Verbraucher sollen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie auf Freiwilligkeit der Wirtschaft setzen könnten“, meint Ulrich Moessner. Nur durch ihr Kaufverhalten könnten sie die Wirtschaft in die passende Richtung lenken.

Autohersteller könnten sich aus ihren vertikalen Märkten verabschieden und sich über Carsharing-Modelle zu Mobilitäts-Anbietern mausern, die durch intelligente Kombinationen von regenerativer Energie mit smartem Verkehr Wertschöpfung horizontal erzielen. Hauptverursacher der Klimaerwärmung ist aber nicht die Mobilität, sondern der enorme (Heiz-) Energiebedarf der Städte. Insofern hat der Ausstieg aus der Kernenergie die fossile Brücke ein Stück weit in die Zukunft verlängert.

„Die Welt darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, die fossilen Energien im Boden zu belassen“, fordert Dr. Helmut Selinger von Attac.

Der Westen lebt seit der Industrialisierung auf Kosten anderer Länder. Nun muss er seine Kohlenstoffschulden abtragen und Entwicklungsländern dabei helfen, die fossile Phase zu überspringen. Eine Welt mit zehn oder elf Milliarden Menschen ist ohne ein alternatives Energiekonzept gar nicht vorstellbar. Denn das Anthropozän, wie Wissenschaftler den geologischen Zeitraum der menschengemachten Umwelt benennen wollen, wird bestehen bleiben, solange es Menschen auf der Erde gibt. „Die deutsche Energiewende kostet rund eine Billiarde Euro in 15 Jahren“, rechnet Prof. Dr. Helmuth Trischler vor. Deutschland könnte das schaffen, weil es bereits auf hohem Niveau starten und es uns leisten können. „Das ist nicht das Problem, sondern Klimagerechtigkeit! Wir müssen Energiewenden im Plural denken“ ist Trischler überzeugt.

Das vollständige Protokoll dieser »Wissenschaftsdebatte life« kann man hier lesen.

Arno Kral

TELI Vorsitzender Kral dankt und fasst Ergebnisse zusammen (c) TELI

TELI Vorsitzender Kral dankt und fasst Ergebnisse zusammen (c) TELI

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