Robert Jungk 100 Jahre: Forschung ohne Brücken zu Bürgern ist inhuman!

by Wolfgang Goede | 12. Januar 2013 13:12

Salzburg feiert Robert Jungk. Im Mai wäre der große Wissenschaftsjournalist, Friedens- und Zukunftsforscher sowie Träger des alternativen Nobelpreises 100 Jahre alt geworden.

(c) Dr. Walter Spielmann

Er gilt als einer der Vordenker für den Umgang mit Technik und Wissenschaft. Bereits in den 1950er Jahren warnte er vor den Risiken der Atomkraft und machte sich für erneuerbare Energien stark. Auf die Energiewende Deutschlands, vor dessen Nazis der Jude flüchten musste, könnte Jungk heute stolz sein.

Bestimmt hätte er auch die TELI-Wissenschafts-Debatte unterstützt, dessen Pate er sein könnte. So sagte Jungk 1970 den Salzburger Nachrichten:

„Wollen wir menschlichere, lebendigere, produktivere Lebensumstände schaffen (…), ist das Erfinden, Durchdenken und experimentelle Durchspielen möglicher, wünschbarer, humanerer Zukünfte von erstrangiger Bedeutung. Wir sollten Werkstätten und Probebühnen schaffen, in denen die „Welt von morgen“ in ersten Strichen skizziert, kritisiert (…) modelliert (…) werden könnte. Ohne Furcht vor Interessenbindungen, ohne Bindung an Routine und falsche Vorsichten, ohne jene ‚Vernünftigkeit’, die sich stets am schon Gewußten, schon Gekonnten ängstlich orientiert und so zur Unvernunft wird.“

Dafür erfand er die Zukunftswerkstätten und die „Mitmachgesellschaft“, die „Betroffene zu Beteiligten“ macht, so auch das Motto des Robert-Jungk-Gedenkjahres. Salzburg und die Robert-Jungk-Stiftung zünden ein Feuerwerk an Aktivitäten und Veranstaltungen.

• Der Leiter der Stiftung, Jungks langjähriger Wegbegleiter Walter Spielmann, gibt zwei neue Bücher über Jungk heraus, „Das Sonnenbuch“ und „Projekt Zukunft“, die die Aktualität seines Wirkens und bisher unbekannte Forschungen dokumentieren.
• Ein Digest seines Lebenswerkes findet sich in einer Sonderausgabe der Robert-Jungk-Bibliotheks-Zeitschrift „pro zukunft“. Sie fasst alle Bücher des rastlosen Schreibers mit einer vielfachen Millionenauflage zusammen. Auf 40 spannenden Seiten schreitet der Leser den Jungk’schen Kosmos ab.
• Höhepunkt der Feierlichkeiten ist eine dreitägige Zukunftswerkstatt vom 2. bis 5. Mai mit vielfältigen Partizipationsbühnen, verteilt über die Straßen Salzburgs, getragen auch von einer meisterlich formulierten Mahnung Jungks:

“Wenn keine Brücken von den Forschern zu den Bürgern geschlagen werden, leisten diese im Grunde unwissenschaftliche Arbeit, denn sie lassen die Dimension öffentlicher Akzeptanz oder Ablehnung aus und sind dazu verurteilt, eine inhumane Wissenschaft voranzutreiben, die letztlich in Katastrophen enden muss.”

Eine Live-Wissenschafts-Debatte könnte diesen Sätzen Jungks ein Gesicht geben!

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