Lizenz zum Rauchen

by Wolfgang Goede | 24. Januar 2013 03:25

Der blaue Dunst spaltet und radikalisiert die Gesellschaft. Während Raucher sich gegen eine zunehmende Kriminalisierung wehren, ist für andere der Tabak die gefährlichste Droge der Welt. Sind wir auf dem Weg zu einer Gesellschaft von Puritanern?, fragt der Autor, seit 32 Jahren Nichtraucher

Rauchringe, bald Historie: Rauchfreie Bannmeile um Kneipen? (c) Rike_pixelio.de

Der Australier Simon Chapman, Professor für öffentliche Gesundheit an der Sydney Universität, führt seit Jahren einen Kreuzzug gegen das Rauchen. Der kulminierte unlängst darin, dass er die Einführung einer Lizenz für Raucher forderte. Das ist eine Chipkarte, bei deren Erwerb der Raucher über die tödlichen Gefahren seiner Gewohnheit aufgeklärt wird. Sie soll seinen Konsum regulieren helfen.

Der Kauf von Zigaretten ist, so des Australiers Vorschlag, nur noch mit der Karte möglich. Je mehr jemand kauft, desto mehr muss er bezahlen. Bei über 50 Stück am Tag wird der Konsum automatisch abgeregelt, so wie ein hochmotorisierter Sportwagen, der Tempo 250 erreicht.

Der Wissenschaftler weiß die Statistiken auf seiner Seite. Fünf Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Nach einer von Nature vor 12 Jahren veröffentlichten Prognose könnten in diesem Jahrhundert bis zu einer Milliarde Menschen durch Inhalation von Zigarettenrauch den Tod finden. Das Anziehen der Preisschraube könnte Raucherleben verlängern helfen. Die Asiatische Entwicklungsbank rechnet vor, dass eine Verdoppelung des Preises 55 Millionen Menschenleben auf dem Kontinent rettete.

Auf der anderen Seite argumentieren selbst Nichtraucher, dass eine Raucher-Lizenz ein viel zu drakonisches Mittel wäre, das sich für liberale Demokratien verbiete. England warnte vor einer weiteren Kriminalisierung der Raucher, und der österreichische Gesundheitsminister hält die Chipkarte mit der Entscheidungsfreiheit des Menschen und den bürgerlichen Grundrechten für nicht konform. Nur in Deutschland bleibt es erstaunlich ruhig. Was meinen Sie?

Tatsache ist, dass die US-Zigarettenindustrie über Jahrzehnte hinweg die gesundheitlichen Risiken des Rauchens herunterspielte, und zwar mit gekauften wissenschaftlichen Gutachten. In den 1990er Jahren setzte dann der Umschwung ein. Immer mehr Länder verboten das Rauchen in geschlossenen Räumen. Auf dem European Health Forum in Bad Gastein verlangten Gesundheitspolitiker nun sogar eine Art Rauchbannmeile um Kneipen, damit sich der Rauch weniger konzentriere und das Passivrauchen der Anwohner unterbunden werde.

* Wie weit lässt sich Rauchen reglementieren? ** Wo ist die Schmerzgrenze? *** Welche Freiheiten bleiben den Bürgen bei Genussmitteln, etwa Oktoberfestbier und Heuriger, Pralinen und Schweinshaxe?

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