Ortwin Renn: Zukunft braucht Dialog – Dialog schafft Zukunft

by Wolfgang Goede | 21. April 2013 17:30

Der Stuttgarter Wissenschaftler Ortwin Renn ist ein international renommierter Experte in Technologie- und Risikoabschätzung. Zur neuen Folge von NOVA ACTA LEOPOLDINA (Bd. 114, Nr. 392) „Nano im Körper“ haben er und seine Kollegin Antje Grobe ein wichtiges Kapitel beigetragen. In „Zukunft braucht Dialog – Dialog schafft Zukunft: Die Debatte um Nanotechnologien“ (S. 63ff) beschreiben die Autoren, „wie gestaltende Dialoge zu einer verantwortungsvollen Entwicklung dieser neuen Technologien beitragen könnten“.

Grundsätzlich stellt das Papier fest, dass die Verbraucher immer noch „mehrheitlich positiv“ dem Nano-Einsatz gegenüber stehen. Für diese Entwicklung ist das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR mitverantwortlich. Es geht mit Nano-Technologien kritisch um empfahl, den Einsatz von Nanosilber auf ein Mindestmaß zu beschränken. In Socken beispielsweise sorgt es dafür, dass sie länger frisch halten. Es wird allerdings befürchtet, dass der Masseneinsatz in anderen Kleidungsstücken sowie in der Küche dazu beitragen könnte, die Resistenzbildung von Bakterien therapeutisch nachteilig zu beeinflussen.

Renn und Grobe verweisen auch auf den Bund für Naturschutz Deutschland e.V. BUND sowie Friends of the Earth. Die sprechen sich für ein Moratorium von Nano-Partikeln in Lebensmittel aus beziehungsweise eine Kennzeichnungspflicht. Solche Interventionen müssen nicht unbedingt dilletantisch sein. Die bisher durchgeführten Bürgerdialoge haben, auf beiden Seiten, eine große Vielfältigkeit von Meinungen gezeigt: Experten und Laien. Daraus folgt die Empfehlung: „Expertenwissen und Laienwahrnehmung sollten eher als einander ergänzend, denn als gegensätzlich eingestuft werden.“

Das Fazit des Forscher-Duos: „Gestaltungsdiskurse können wirkungsvolle und demokratisch legitimierte Formen des Abwägens zwischen Risiko und Chancen bereitstellen.“ Sie sehen es als Aufgabe, „mehr dieser Dialog- und Beteiligungsformate zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und eben auch zwischen Experten und Laien in die politischen Steuerungsprozesse (Governance) für neue Technologien einzubauen“. Zwar gebe es bereits viele dieser Diskursformen, aber „es sind vermutlich weitaus mehr derartige Versuche und Bemühungen notwendig, um die Lücke zwischen Wissen und Moralität in der Bewältigung von Risiken in der modernen globalisierten Welt zu schließen“.

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, bliebe zu ergänzen, ist einer dieser Dialoge, Diskurse, Beteiligungsformen, die genau das kultivieren, was Renn und Grobe für nötig erachten.

Link: http://www.leopoldina.org/en/publications/detailview/?publication%5Bpublication%5D=485&cHash=e2fcabc3f42c6566e660bc19a19947d0

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