Debatte »Klima und Wirtschaft«

It’s the economy – stupid!

Ja, es ist möglich, das Klimaproblem in den Griff zu bekommen, sofern die UN-Klimakonferenz COP 21 im Dezember 2015 in Paris die richtigen Entscheidungen trifft. Das ist das Ergebnis der TELI-Wissenschaftsdebatte zur Klimaherbst-Veranstaltungsreihe in München. Die Erderwärmung bis 2050 auf zwei Grad zu begrenzen, ist machbar – aber nur dann, wenn sofort damit begonnen wird, den Ressourcenverbrauch zu bremsen.

Die Risikoforschung belegt mit ihrer Analyse von Katastrophendaten, dass das Anheizen der Atmosphäre für Wirtschaft und Verbraucher hohe Kosten verursacht. „Ein Umsteuern findet statt – der Finanzbereich denkt bereits viel über die Umlenkung der Investitionen in weniger klimaschädliche Wirtschaftsbereiche nach“, sagt wer Prof. Dr. Gerhard Berz von der Munich Re. Ein Teilnehmer meinte, dass bilaterale Handelsabkommen aber den Status Quo einer durchaus veränderungswilligen Wirtschaft zementieren und soziale Standards aufweichen. „Sie dürfen allerdings nicht an den Parlamenten vorbei verabschiedet werden, warnt Berz. Nur dann bieten sie die Chance, unsere Vorstellungen von einer Wirtschaftsordnung einzubringen und andere von unseren Wertmaßstäben zu überzeugen: Die Politik muss der Wirtschaft wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen diktieren und verbindliche Standards setzen und das Anheizen des Klimas mit Kosten belegen.

„Die Verbraucher sollen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie auf Freiwilligkeit der Wirtschaft setzen könnten“, meint Ulrich Moessner. Nur durch ihr Kaufverhalten könnten sie die Wirtschaft in die passende Richtung lenken.

Autohersteller könnten sich aus ihren vertikalen Märkten verabschieden und sich über Carsharing-Modelle zu Mobilitäts-Anbietern mausern, die durch intelligente Kombinationen von regenerativer Energie mit smartem Verkehr Wertschöpfung horizontal erzielen. Hauptverursacher der Klimaerwärmung ist aber nicht die Mobilität, sondern der enorme (Heiz-) Energiebedarf der Städte. Insofern hat der Ausstieg aus der Kernenergie die fossile Brücke ein Stück weit in die Zukunft verlängert.

„Die Welt darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, die fossilen Energien im Boden zu belassen“, fordert Dr. Helmut Selinger von Attac.

Der Westen lebt seit der Industrialisierung auf Kosten anderer Länder. Nun muss er seine Kohlenstoffschulden abtragen und Entwicklungsländern dabei helfen, die fossile Phase zu überspringen. Eine Welt mit zehn oder elf Milliarden Menschen ist ohne ein alternatives Energiekonzept gar nicht vorstellbar. Denn das Anthropozän, wie Wissenschaftler den geologischen Zeitraum der menschengemachten Umwelt benennen wollen, wird bestehen bleiben, solange es Menschen auf der Erde gibt. „Die deutsche Energiewende kostet rund eine Billiarde Euro in 15 Jahren“, rechnet Prof. Dr. Helmuth Trischler vor. Deutschland könnte das schaffen, weil es bereits auf hohem Niveau starten und es uns leisten können. „Das ist nicht das Problem, sondern Klimagerechtigkeit! Wir müssen Energiewenden im Plural denken“ ist Trischler überzeugt.

Das vollständige Protokoll dieser »Wissenschaftsdebatte life« kann man hier lesen.

Arno Kral

TELI Vorsitzender Kral dankt und fasst Ergebnisse zusammen (c) TELI

TELI Vorsitzender Kral dankt und fasst Ergebnisse zusammen (c) TELI

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3 Gedanken zu “Debatte »Klima und Wirtschaft«

  1. Danke für die Rückmeldung und die kritische Frage:
    In der Tat, die Entscheidung über Energieverbrauch, Klimaerwärmung und Kontrolle derselben erfolgt in den Städten der Welt. Da haben die Stadtgesellschaften eine besondere Verantwortung, wie auch bei der Eröffnung des Münchner Klimaherbstes 2015 gesagt wurde.

    Wir könnten ein Vorbild werden für den Rest der Welt: den Individualverkehr weiter herunterfahren, etwa durch Carsharing,wofür BMW sich stark macht, oder über neue Gesetze zur Einsparung von Heizenergie, worüber CSU und ÖDP in München sich verständigen wollen. Beides war Teil der Klimadebatte im PresseClub –> https://idw-online.de/de/news641972

    Auch das stimmt, leider: Wir konsumieren zu viel und produzieren zu viel Treibhausgase, auf Kosten der ärmeren Länder. Das muss sich ändern, durch insgesamt nachhaltigeres Wirtschaften, aber auch durch das Verhalten und die Anstöße jedes einzelnen Bürgers.

    Insofern kann und muss jeder selbst dazu beitragen, die Verlogenheit zur Ordnung zu rufen!

  2. Als wenn alles super ist, wenn die globale Temperatur unter 2 Grad bleibt. Das ist es nicht!

    Politiker meinen, dass man die Katastophen, die durch Wetter ausgelöst werden, im Griff halten kann, wenn der Anstieg der Globaltemperatur unter 2 Grad bleibt. Das mag für die reichen Länder gelten, nicht aber die armen, die gar nicht die finanziellen Mittel haben, irgend etwas in den Griff bekommen.

    „Hauptverursacher der Klimaerwärmung ist aber nicht die Mobilität, sondern der enorme (Heiz-) Energiebedarf der Städte.“: Die verhältnismäßig kleinen Städte mit 2-3 Millionen Einwohnern in europa und den USA vielleicht. Aber die die Megastadtkonglomerate in Asien doch nicht. Die heizen nicht.

    Die Hauptursache ist unser Konsum! Deutschland mag zwar den CO2-Ausstoß in den Griff bekommen – aber nur dadurch, dass die ganze Dreckindustrie, die unsere Wegwerfprodukte herstellt, nach Asien ausgelagert wird. Das ist praktisch: Hier erzeugen wir weniger CO2 und können gleichzeitig asiatische Länder wie China für den überhohen CO2-Ausstoß verantwortlich machen.

    Wie verlogen ist das denn…

  3. Pingback: It’s the economy – stupid!Der Überblick | Wissenschaftsdebatte

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